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Pydna Im Hunsrück: von Atomraketen zur Nature One
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4 Die Friedensbewegung im Hunsrück

4.1 Militärische Präsenz im Hunsrück

Der Hauptschauplatz der Friedensbewegung in Rheinland-Pfalz befand sich im Hunsrück: Die NATO-Militäranlage „Pydna“, die als Basis für alle 96 atomaren Marschflugkörper, die im Zuge des NATO-Doppelbeschlusses in Deutschland stationiert werden sollten, vorgesehen war. In und um den Hunsrück gab es in den 1980er Jahren mehr als 60 militärische Anlagen der NATO, der USA, Frankreichs und der Bundeswehr; rund 17.000 ausländische Soldaten waren hier stationiert. Entlang der Bundesstraße 327, der Hunsrückhöhenstraße, fanden sich zwischen Koblenz und Hermeskeil zahlreiche große und kleine militärische Einrichtungen. Die größte Militäranlage im Hunsrück bildete der US-Flugplatz Hahn, auf dem das 50. Taktische Jagdgeschwader der US-Luftwaffe und etwa 5.000 Soldaten stationiert waren.280 Weitere wichtige Militäranlagen in der Region waren das Bundeswehrdepot Kappel, in dem die Feuerleitstand- und Lafettenfahrzeuge für die Marschflugkörper bis zur Fertigstellung der „Pydna“ zwischengelagert wurden, und das „Kriegshauptquartier der Alliierten Streitkräfte Europa Mitte in der Anlage Erwin“, eine unterirdische Bunkeranlage bei Birkenfeld.281

Bei der Raketenstation mit dem Codenamen „Pydna“ – der Name nimmt Bezug auf die Schlacht zwischen Makedoniern und Römern nahe der makedonischen Hafenstadt Pydna im Jahr 168 v. Chr. – handelte es sich um eine ehemalige Basis für Nike-Herkules-Raketen,282 genannt „B-Battery“, unweit der Kleinstadt Kastellaun in der Nähe des Dorfes Hasselbach gelegen.283 Die alte Nike-Herkules-Raketenstellung wurde in den 1980er Jahren für 250 Millionen DM umgebaut und zur damals größten neuen Nuklearwaffenbasis der NATO erweitert.284 Die Anlage gliederte sich in drei Bereiche: Verwaltungsbereich, Unterstützungsbereich und Schutzbautenbereich. Sechs atomsichere Bunker wurden für die Atomraketen errichtet, hinzu kamen eine Instandsetzungswerkstatt, ein Depot für die Atomsprengköpfe und Kasernen für die insgesamt 1.300 Soldaten des 38. Taktischen Flugkörpergeschwaders der US-Luftwaffe.285 Das 38. Flugkörpergeschwader gehörte zu den taktischen Einsatzverbänden der NATO. Es bestand aus sechs Staffeln mit je 16 Flugkörpern und trat am 17. April 1985 mit zunächst 800 Mann seinen Dienst auf der „Pydna“ an.286 Solange die Baumaßnahmen andauerten, wurden die Marschflugkörper am Militärflughafen Hahn zwischengelagert. Die „Pydna“ sollte ursprünglich Ende 1986 fertiggestellt werden; der Termin konnte jedoch nicht eingehalten werden.287 Ab Januar 1986 begann die Stationierung der Marschflugkörper; die geplante Zahl von 96 Raketen wurde allerdings nie erreicht. Die Abrüstungsverhandlungen zwischen Moskau und Washington, die den INF-Vertrag zum Ergebnis hatten, führten dazu, dass die Raketen ab 1988 wieder abgezogen wurden. Das 38. Flugkörpergeschwader wurde am 22. August 1990 offiziell aufgelöst. Was die Anzahl der tatsächlich im Hunsrück stationierten Marschflugkörper anbelangt, variieren die Angaben zwischen 62 und 64 Raketen.288

4.2 Entstehung und Struktur der Friedensbewegung

Der NATO-Doppelbeschluss wurde zunächst von einem Großteil der Bevölkerung nicht weiter beachtet und der Protest einiger weniger Friedensaktivisten ignoriert oder abgelehnt. Dies hatte zwei Gründe: Zum einen war die Bevölkerung des Hunsrücks die Anwesenheit von Militär seit Jahrhunderten gewöhnt. Bereits die Römer hatten den Hunsrück während der Zeit des Prinzipats (27 v. Chr. bis 284 n. Chr.) militärisch erschlossen. Die Nationalsozialisten hatten die Hunsrückhöhenstraße 1938/39 als militärisch-strategische Aufmarschstraße zur deutsch-französischen Grenze gebaut und bei Hermeskeil das SS-Sonderlager Hinzert errichtet.289 Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs waren die Alliierten Streitkräfte im Hunsrück präsent. Zum anderen war der Hunsrück als eine ländliche und sehr strukturschwache Region wirtschaftlich stark vom Militär abhängig: Die Amerikaner waren ein bedeutender Arbeitgeber; auch der Mietwohnungsmarkt profitierte von Vermietungen an Angehörige der amerikanischen Streitkräfte. In manchen Ortschaften wie Kastellaun und Simmern entstanden ganze Wohnviertel für die Mitarbeiter von US-Einrichtungen und ihre Angehörigen, an denen die regionale Bauwirtschaft zu 90 Prozent beteiligt werden sollte.290

Neben der historisch gewachsenen Gewöhnung an das Militär herrschte innerhalb der mehrheitlich konservativen Bevölkerung des Hunsrücks traditionell die Meinung vor, man könne nichts an den Entscheidungen der Mächtigen ändern und müsse diese akzeptieren.291 Die Menschen der schwach besiedelten Region waren daran gewöhnt, vor vollendete Tatschen gestellt zu werden und diese nicht zu hinterfragen. Dennoch bildete sich im Hunsrück zu Beginn der 1980er Jahre eine äußerst breite und aktive Friedensbewegung, die gegen die Stationierung der Marschflugkörper protestierte und der es nach und nach gelang, die Mehrheit der Bevölkerung auf ihre Seite zu bringen. Dies gelang vor allem dadurch, dass die Friedensaktivisten zunächst Informationen über die geplante Stationierung, die der Bevölkerung vorenthalten wurden, einholten und die einheimischen Bürger über das Geschehen vor ihrer Haustüre aufklärten. Das anfängliche Misstrauen vieler Menschen konnte die Friedensbewegung durch ihr gewaltfreies Auftreten, durch ihre Verankerung in vielen Bevölkerungsschichten und nicht zuletzt durch die starke christliche Prägung der Bewegung weitestgehend überwinden.

Der Einfluss von außen blieb im Vergleich zum bundesweit bekanntesten Stationierungsort Mutlangen, wo sich die Friedensbewegung trotz prominenter Unterstützung nie in der örtlichen Bevölkerung etablieren konnte,292 gering – die Friedensbewegung entstand im Hunsrück im wesentlichen aus der eigenen Bevölkerung heraus. Auf diese Weise entwickelte sich ein großer Zusammenhalt unter den Aktivisten, bei denen die Gruppen- oder Organisationszugehörigkeit zweitrangig war oder die oftmals keiner Organisation angehörten. Zusammen mit der ohnehin großen Identifikation der Hunsrücker mit ihrer Region führte dies zu einer Bewegung mit stark regionaler Prägung, die – trotz ihrer Heterogenität – als die „Hunsrücker Friedensbewegung“ zu bezeichnen ist.

4.3 Die wichtigsten Gruppen und Vertreter der Friedensbewegung

Die Hunsrücker Friedensbewegung hatte wie die Friedensbewegung auf Bundesebene eine heterogene Struktur. Menschen unterschiedlichen Alters, mit unterschiedlichen politischen Ansichten und unterschiedlicher Bildung fanden sich in der Friedensbewegung zusammen.293 Das gemeinsame Ziel, über das sich alle einig waren, bestand in der Verhinderung der Marschflugkörper-Stationierung. Bei der Frage nach der Motivation zur Friedensarbeit lassen sich zwei Ansätze feststellen: Zu Beginn waren es vor allem Personen, die bereits in Parteien, Gewerkschaften, Jugendverbänden oder Umweltorganisationen organisiert waren, die sich in der Friedensbewegung engagierten. Viele von ihnen lehnten die atomare Hochrüstung generell ab und hätten sich sehr wahrscheinlich auch dann der Friedensbewegung angeschlossen, wenn sie nicht im Stationierungsgebiet gewohnt hätten. Im Laufe der Zeit gelang es ihnen, auch eigentlich unpolitische oder politisch konservative Menschen, die das Prinzip der atomaren Abschreckung gut hießen oder sich daran zumindest nicht störten, für die Friedensbewegung zu gewinnen. Diese Menschen handelten aus persönlicher Betroffenheit, aus der Angst heraus, durch die Stationierung der Marschflugkörper in ihrer Umgebung selbst zum Ziel eines sowjetischen Atomangriffs zu werden. Eine gemeinsame Identität schuf die Sorge um die von allen als Heimat empfundene Region des Hunsrücks.

Die Friedensgruppen, die zunächst in der Kreisstadt Simmern und dann in immer mehr Gemeinden entstanden, organisierten sich in der „Friedensinitiative Rhein-Hunsrück“. Da die Zahl der Personen und Friedensgruppen schnell anwuchs und aus einem immer größeren Umkreis kam, benannte sich die Bewegung in „Friedensinitiative Rhein-Hunsrück-Mosel“ und später in „Friedensinitiative Rhein-Hunsrück-Mosel-Nahe“ (FI) um.294

Ähnlich den Aktionskonferenzen der Friedensbewegung auf Bundesebene veranstaltete die Hunsrücker Friedensbewegung Vollversammlungen, um Entscheidungen über die grundsätzliche Ausrichtung ihrer Friedensarbeit und über ihre kommenden Aktionen zu treffen. Die Vollversammlungen fanden in unregelmäßigen Abständen mehrmals im Jahr statt; man kam abwechselnd in einer der Hunsrücker Ortschaften in einer Gaststätte oder einem anderen öffentlichen Gebäude zusammen. An den Vollversammlungen konnte jeder Interessierte teilnehmen.

Als regionales Gegenstück zum Koordinationsausschuss gab es Delegiertentreffen. Diese wurden monatlich in wechselnden Ortschaften abgehalten. Im Unterschied zum Koordinationsausschuss entsandten hier nicht Organisationen und Gruppen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen oder politischen Spektren, sondern die Friedensgruppen der verschiedenen Ortschaften Delegierte zu den Treffen. Bei aktuellen Anlässen nahmen Friedensaktivisten von außerhalb an den Delegiertentreffen teil, beispielsweise Vertreter des rheinland-pfälzischen Ostermarschkreises zur Planung eines großen Ostermarschs im Hunsrück.295 Die Treffen der lokalen Friedensgruppen waren ebenfalls für jedermann zugänglich, sodass die Hunsrücker Friedensbewegung eine sehr offene Struktur hatte. Die Ergebnisse der Vollversammlungen und der Delegiertentreffen wurden in den monatlich von der FI herausgegebenen internen Informationsbroschüren, den sogenannten „Friedensinformationen“, an die Aktiven der „Friedensinitiative Rhein-Hunsrück-Mosel-Nahe“ weitergegeben. Bei konkreten Fragen, zu denen größerer Diskussionsbedarf bestand (wie beispielsweise dem Ort und Ablauf des rheinland-pfälzischen Ostermarsches im Hunsrück 1985) wurden zusätzlich Aktionskonferenzen durchgeführt.296

Innerhalb der Hunsrücker Friedensbewegung spielte die Gruppen- oder Organisationszugehörigkeit eine untergeordnete Rolle. Im Vordergrund stand der persönliche Einsatz gegen die Stationierung der Marschflugkörper; ideologische und politische Unterschiede wurden – wie die befragten Zeitzeugen unabhängig voneinander übereinstimmend erklärten – diesem Ziel untergeordnet.297 Dabei half der Umstand, dass sich die Friedensaktivisten zumeist schon vorher persönlich kannten. Auch der SPD-Landtagsabgeordnete Joachim Mertes, der mit der Friedensbewegung zusammen arbeitete, bestätigte: „Es ging um die Zusammenarbeit mit Menschen, nicht mit Parteien. Wir haben die Maßstäbe des Verfassungsschutzes nicht an unsere Nachbarn angelegt.“298 Viele der Protagonisten engagierten sich in mehreren Gruppen, weswegen eine eindeutige Zuordnung nicht immer möglich ist. Dennoch wird im folgenden eine Einteilung in verschiedene Gruppierungen vorgenommen, um die Protagonisten der Hunsrücker Friedensbewegung mit ihren Beweggründen zur Friedensarbeit und ihrem politischen und sozialen Hintergrund vorzustellen.

4.3.1 Die Christen

Eine wichtige Rolle in der Hunsrücker Friedensbewegung spielte das Engagement von Christen. Zum Zeichen ihres Protests gegen die Marschflugkörper stellten christliche Friedensaktivisten Kreuze an der NATO-Baustelle auf. Am Haupttor des Stationierungsgeländes errichteten sie ein vier Meter hohes Holzkreuz, an dem seit Sommer 1983 jeden Sonntag ein ökumenisches Friedensgebet stattfand.299 Zum Friedensgebet, das von den evangelischen Pfarrern Jutta und August Dahl aus Bell sowie dem katholischen Pfarrer Vogt aus Kastellaun gehalten wurde, versammelten sich zahlreiche Menschen aus dem Hunsrück, aber auch auswärtige Gruppen wie die „Ordensleute für den Frieden“.300 Das Presbyterium der Kirchengemeinde Bell erklärte das Friedensgebet einstimmig zu einem offiziellen Sonntagsgottesdienst.301

Drei weitere Kreuze wurden an einer Ecke der Baustelle zur Hunsrückhöhenstraße hin aufgestellt.302 Besonders auffällig waren die 96 Kreuze auf dem Beller „Friedensacker“. Die 96 Holzkreuze wurden an Ostern 1984 auf einem Acker der Landwirtin Lore Kneip errichtet – ein Kreuz für jede Rakete, die hier stationiert werden sollte. Der „Friedensacker“, der an die Hunsrückhöhenstraße und den Zaun der ehemaligen „B-Battery“ angrenzte, sollte vorbeifahrende Menschen an die Marschflugkörper erinnern.303 Die Kreuze und der Kreis betender Menschen vor der NATO-Baustelle wurden mehrfach im Fernsehen gezeigt und prägten so das Bild der Hunsrücker Friedensbewegung in der Öffentlichkeit.304

Das Zentrum des christlichen Protests im Hunsrück bildete die evangelische Kirchengemeinde Bell, der August Dahl als Pfarrer vorstand. August Dahl und seine Familie waren 1976 aus Essen, wo Dahl als Gefängnis-Pfarrer tätig gewesen war, in den Hunsrück gekommen.305 August Dahls Frau Jutta war ebenfalls ordinierte Pfarrerin. Gemeinsam engagierten sie sich in der Hunsrücker Friedensbewegung und nahmen darin eine Vorreiterrolle ein. Neben dem wöchentlichen Friedensgebet veranstalteten die Dahls im Gemeindehaus von Bell regelmäßige Treffen, bei denen Christen aus dem Hunsrück über die Nachrüstung und mögliche Aktionen zur Verhinderung der Stationierung der Marschflugkörper diskutierten.306 Außerdem nahm das Pfarrer-Ehepaar an den Ostermärschen und Demonstrationen der Friedensbewegung im Hunsrück teil und trat bei den anschließenden Kundgebungen als Redner auf.307 Nicht zuletzt durch das Engagement der Dahls wurde die 480-Seelen-Gemeinde Bell zur „Hochburg des Widerstands“308 im Hunsrück.

Die Dahls gehörten zu den Hunsrücker Friedensaktivisten, die sich auch dann der Friedensbewegung angeschlossen hätten, wenn ihr Wohnsitz nicht im Stationierungsgebiet gewesen wäre.309 Bereits in Essen waren sie sozial und politisch aktiv gewesen. Sie engagierten sich in der Anti-Apartheid-Bewegung und setzten sich öffentlich gegen die Einführung der Notstandsgesetze vom 30. Mai 1968 ein.310 August Dahl trat 1968 in die SPD ein, gab sein Parteibuch aber 1980 aus Protest gegen den NATO-Doppelbeschluss wieder zurück.311 Die Motivation der Dahls zum Engagement in der Friedensbewegung lag im Gefühl der Verantwortung für die Politik der eigenen Regierung begründet: „Uns war klar: Wir sind hier nicht nur Zielgebiet (…), sondern wir sind gleichzeitig auch Bedrohung für andere. (…) Wenn uns unsere Kinder später gefragt hätten, was habt ihr dagegen getan, dann wären wir nicht in der Lage gewesen zu sagen, wir haben nichts davon gewusst.“312

Für die Akzeptanz der Friedensbewegung in der Hunsrücker Bevölkerung waren die Dahls von entscheidender Bedeutung. Sie standen für den friedlichen Protest gegen die Nachrüstung und konnten als Kirchenvertreter auch Menschen für die Friedensbewegung gewinnen, die ansonsten nicht zu Demonstrationen gegangen und gegen Entscheidungen der Regierung aktiv geworden wären. „August Dahl“, berichtet der Hunsrücker Friedensaktivist Horst Petry, „hat den Menschen die Angst davor genommen, sich politisch zu engagieren“.313 Den CDU-Landtagsabgeordneten Walter Mallmann aus Simmern zitierte der „Spiegel“ 1986 wie folgt: „Ohne diesen Pfarrer gäbe es niemals solche Unruhe bei uns. Der hat die Leute mobilisiert.“314

Auch nach außen hin repräsentierte das Ehepaar Dahl die Hunsrücker Friedensbewegung. Jutta Dahl trat bei einer Kundgebung der Friedensbewegung im Oktober 1984 in Bonn als Rednerin auf. Dabei forderte sie die Anwesenden dazu auf, in den Hunsrück zu kommen, um sich vor Ort selbst ein Bild von der Situation zu machen.315 August Dahl sprach bei der Großdemonstration der Friedensbewegung in Hasselbach 1986, bei der mehr als 150.000 Menschen aus der gesamten Bundesrepublik in den Hunsrück kamen, als Vertreter der FI.316

August Dahl wurde mit der Zeit gleichsam zur Galionsfigur der Hunsrücker Friedensbewegung. Dazu trug auch seine außergewöhnliche Erscheinung bei, die vom „Spiegel“ folgendermaßen beschrieben wurde: „Ein bemerkenswerter Gottesmann: mächtige Stimme, schulterlange graue Haare, imposanter Rauschebart.“317 Unter dem Spitznamen „Raketen-August“, wie Dahl zunächst von seinen Gegnern spöttisch genannt wurde, erlangte Dahl über den Hunsrück hinaus Bekanntheit.318 Der Hunsrücker Regisseur Edgar Reitz, der Sympathien für die Friedensbewegung hegte, würdigte Dahls Engagement, indem er ihm 2002/03 eine Rolle in seinem Film „Heimat 3“ übertrug. August Dahl spielte sich selbst als Pfarrer des fiktiven Hunsrück-Dorfs „Schabbach“, dem Schauplatz der populären „Heimat“-Filme.319

Das Engagement in der Friedensbewegung blieb für das Ehepaar Dahl nicht ohne Konsequenzen. 1984 wurden die Verträge der Dahls an der Realschule Kastellaun und an der Integrierten Gesamtschule Kastellaun, wo beide seit 1976 nebenamtlich als Religionslehrer tätig gewesen waren, nicht verlängert. Offiziell wurde dieser Schritt mit notwendigen Stellenstreichungen begründet. Zur selben Zeit wurde zudem August Dahls Vertrag an der Krankenpflegerschule des Rhein-Hunsrück-Kreises in Simmern, an der er seit 1981 als Lehrer gearbeitet hatte, nicht verlängert.320 Der Personalrat der Krankenpflegerschule bedeutete ihm damals, so August Dahl im Interview, dass die Bezirksregierung ihn nicht länger beschäftige, da er „den Mund aufgemacht hatte“.321 Für die Teilnahme an einer Sitzblockade des Stationierungsgeländes wurde August Dahl 1987 vom Amtsgericht Simmern wegen Nötigung zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen à 70 DM verurteilt; wie die anderen Blockade-Teilnehmer wurde Dahl zehn Jahre später aufgrund einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts rückwirkend freigesprochen.322

Allerdings wurden Jutta und August Dahl für ihr Engagement in der Friedensbewegung auch offiziell geehrt: Jutta Dahl wurde für ihre Friedensarbeit im Jahr 1988, gemeinsam mit dem Superintendenten Werner Sanß, als erste Preisträgerin mit dem Aachener Friedenspreis ausgezeichnet.323 August Dahl erhielt am 26. Februar 2002 die Verdienstmedaille des Landes Rheinland-Pfalz.324

4.3.2 Die Politiker

In der Hunsrücker Friedensbewegung waren viele Menschen vertreten, die sich bereits vorher politisch engagiert hatten. Was die Parteizugehörigkeit anbelangt, waren es – wie auf Bundesebene – vor allem Mitglieder von Parteien aus dem linken Spektrum wie den Grünen, der DKP und teilweise der SPD, die in der FI aktiv waren. Der Einfluss von politischen Parteien in der Hunsrücker Friedensbewegung sollte allerdings nicht überbewertet werden, da linke Parteien in der traditionell eher konservativen Hunsrück-Region nicht sehr stark repräsentiert waren. Die Rhein-Hunsrück-Gruppe der DKP hatte beispielsweise in den 1980er Jahren zehn aktive Mitglieder.325 Die einzigen Protagonisten der DKP in der Hunsrücker Friedensbewegung waren Horst Petry, der Vorsitzende der Rhein-Hunsrück-Gruppe, und Wolfgang Bartels aus Trier, der Mitglied im DKP-Bezirksvorstand Rheinland-Pfalz war.

Generell spielte die Parteizugehörigkeit in der FI eine untergeordnete Rolle; es waren zumeist keine hochrangigen Funktionsträger, die sich in der Friedensbewegung betätigten. Politiker aus dem Hunsrück wie der Landtagsabgeordnete Joachim Mertes (SPD), die überregional politische Ämter bekleideten, solidarisierten sich zwar im Laufe der Zeit mit den Aktivisten, waren aber kein aktiver Teil der Friedensbewegung (vgl. Kapitel 3.3.4 und Kapitel 4.3.4). Es waren vor allem lokalpolitisch tätige Menschen, oft ohne Parteizugehörigkeit, wie Gerhard Lorenz oder Jutta Dahl, die sich in ihrer Funktion als gewählte Mitglieder des Gemeinderats von Bell verpflichtet fühlten, gegen die Stationierung der Marschflugkörper in ihrer Region vorzugehen.

Gerhard Lorenz, Jahrgang 1930, saß seit 1975 als parteiloser Abgeordneter im Gemeinderat der Großgemeinde Bell. Aufgewachsen war er in Schönborn, zwanzig Kilometer von Bell entfernt. Der Diplom-Ingenieur für Brückenbau engagierte sich in der Friedensbewegung, da er als Gemeinderatsmitglied auf das Wohl der Gemeinde und des Staates vereidigt worden war und sich für seine Mitbürger, die ihn gewählt hatten, verantwortlich fühlte. Er konnte die Stationierung der Marschflugkörper, die er als Gefahr für den Hunsrück und seine Bewohner ansah, nicht mit seinem Gewissen vereinbaren.326 Außerdem wollte Lorenz die Friedensarbeit „nicht nur jungen Leuten überlassen“.327 Zu Beginn war Lorenz mit seinen Ansichten zum NATO-Doppelbeschluss im Gemeinderat von Bell in der Minderheit. Laut Aussage von Lorenz herrschte im Gemeinderat die Meinung vor, dass „die verantwortlichen Politiker in Bonn es besser wissen als wir“.328 Daher stellte er aus öffentlich zugänglichen Quelle wie der Bundeswehrzeitschrift „Wehrtechnik“ und US-Literatur einen Dia-Vortrag zusammen, mit dem er seine Mitbürger über die Funktionsweise und die Auswirkungen der Marschflugkörper informierte.329

Seine Mitarbeit in der Friedensbewegung bescherte Lorenz einige Konflikte mit Teilen der örtlichen Bevölkerung und der Staatsanwaltschaft: Nach eigener Aussage wurde er zu Beginn seines Engagements von Mitbürgern als „Kommunist“ tituliert, sein Arbeitsplatz wurde überprüft und sein privater Telefonanschluss drei Jahre lang überwacht.330 Der Dia-Vortrag und andere Maßnahmen der FI zur Information der Bürger wie das „Hunsrück-Forum“ konnten die Stimmung in der Bevölkerung und unter den lokalen Politikern jedoch zugunsten der Friedensbewegung kippen. Dafür war neben der Arbeit der Friedensbewegung vor allem die Geheimhaltungspolitik der Bundesregierung verantwortlich: Wie die Bürgermeister von Bell und Hasselbach erklärten, kamen die einzigen (und letztlich richtigen) Informationen über die Stationierung der Marschflugkörper bis zum Erscheinen der Bürgerinformation „Marschflugkörper im Hunsrück“, herausgegeben vom Verteidigungsministerium im August 1986, von der Friedensbewegung.331 Die Gemeinderäte von Hasselbach und der Großgemeinde Bell lehnten die NATO-Baumaßnahme auf ihrer Gemarkung schließlich im Rahmen einer öffentlichen Anhörung im März 1984 einstimmig ab.332 Dies änderte zwar nichts am Baubeginn, verdeutlicht aber den Sinneswandel unter den lokalen Politikern.

Aufgrund seines Engagements gegen die Nachrüstung kann Gerhard Lorenz als einer der führenden Köpfe der Hunsrücker Friedensbewegung bezeichnet werden. So wurde er zusammen mit anderen Kommunalpolitikern im Jahr 1986 zweimal von Verteidigungsminister Manfred Wörner, der die Hunsrücker von der Notwendigkeit der Marschflugkörper-Stationierung überzeugen wollte, auf die Hardthöhe eingeladen.333 Bei der Großdemonstration in Hasselbach am 11. Oktober 1986 trat Lorenz in seiner Funktion als 1. Beigeordneter des Gemeinderats und stellvertretender Bürgermeister von Bell als Redner auf und legte die Gründe für die Ablehnung des Bauvorhabens durch die Gemeindevertretungen dar.334 Lorenz beteiligte sich an Demonstrationen und Blockade-Aktionen der Friedensbewegung vor der „Pydna“, wurde dafür aber nicht angeklagt. Sein Engagement in der Friedensbewegung, das er aufgrund seiner politischen Verantwortung vor Ort begonnen hatte, endete mit dem Beginn der Abrüstung.335

Weitere exponierte Vertreter der Hunsrücker Friedensbewegung aus dem politischen Spektrum kamen von den Grünen und der DKP. Der Einfluss der beiden Parteien innerhalb der FI war allerdings begrenzt. So konnte sich der Grünen-Kreisverband Rhein-Hunsrück im Vorfeld der Großdemonstration von Hasselbach nicht mit seinem Antrag auf Genehmigung von „Aktionen zivilen Ungehorsams“ durch die FI durchsetzen.336 Die Mehrheit in der FI lehnte „Aktionen zivilen Ungehorsams“ während der Demonstration ab, um eine „massenhafte Beteiligung der Hunsrücker Bevölkerung“337 nicht zu gefährden.

Die DKP war in der Hunsrücker Friedensbewegung vor allem publizistisch und organisatorisch tätig. Wolfgang Bartels, Journalist aus Trier, war nicht nur im Hunsrück aktiv, sondern saß im DKP-Bezirksvorstand von Rheinland-Pfalz und gehörte dem Landessprecherkreis der „Friedensliste“ an. Sowohl für die DKP, als auch für die „Friedensliste“ veröffentlichte er die Informationsschrift „Rheinland-Pfalz: Waffenkammer der NATO. Bedrohungskarte für jeden Kreis“ (vgl. Kapitel 3.3.3). Zusammen mit anderen Mitgliedern der „Friedensliste“, Mitgliedern der Grünen und Mitarbeitern des Forschungsinstituts für Friedenspolitik in Starnberg gab er im Oktober 1986 das Buch „Militär-Heimat Hunsrück“ heraus.338 Innerhalb der Hunsrücker Friedensbewegung arbeitete Bartels wie Horst Petry im „Hunsrück-Forum“ mit.

Im Vorfeld der Großdemonstration von Hasselbach war der Bad Kreuznacher DKP-Funktionär Jürgen Locher im Hunsrücker „Friedensbüro“ aktiv. Locher war als Mitglied des Koordinationsausschusses zur Vorbereitung der Demonstration in den Hunsrück gekommen. Laut eines Berichts des Bundesinnenministeriums oblag Locher die Verantwortung „für die organisatorische Struktur der Veranstaltung“.339 Die Vorbereitungen vor Ort würden von der DKP kontrolliert, so der Bericht.340 Abgesehen von der Vorbereitung der Großdemonstration war der Einfluss der DKP in der Hunsrücker Friedensbewegung eher gering. Die DKP-Funktionäre waren – wie auch die Grünen – zahlenmäßig zu sehr in der Minderheit, als dass sie bei Abstimmungen hätten dominieren können. Finanzielle Zuwendungen der DKP an die FI gab es nach Angaben von DKP-Funktionär Horst Petry nicht;341 die Hunsrücker Friedensbewegung stand durch Spenden und Verkaufseinnahmen finanziell gut da.

Nachweise für eine Verbindung der DKP-Funktionäre Horst Petry und Wolfgang Bartels zum Ministerium für Staatssicherheit (MfS) der DDR fanden sich nicht. Nach Mitteilung der Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik existieren bei ihrer Behörde keine Unterlagen zu Petry und Bartels. Zu Bartels wurde lediglich eine leere Akte ohne Schriftgut ermittelt.342

4.3.3 Der Verein für friedenspolitische und demokratische Bildung Rhein-Hunsrück-Mosel e.V.

Um die immer unfangreicher werdende Friedensarbeit besser bewältigen und koordinieren zu können, mietete die FI im Februar 1984 Büroräume in Kirchberg an. Als Träger des sogenannten Friedensbüros wurde der „Verein für friedenspolitische und demokratische Bildung Rhein-Hunsrück-Mosel e.V.“ gegründet. Spenden zur Finanzierung des Friedensbüros gingen an den Verein.343 Zunächst führten mehrere Mitglieder das Büro ehrenamtlich. Bald konnte der als gemeinnützig anerkannte Verein durch das rege Spendenaufkommen und durch Einnahmen aus Aktionen wie den Ostermärschen eine Halbtagskraft einstellen.344 Heidrun Kisters (damals noch Heidrun Zimmer) erledigte fortan einen Großteil der Pressearbeit und übernahm die Vernetzung der FI mit anderen Friedensgruppen wie der AGF Trier und dem Ostermarschkreis Rheinland-Pfalz sowie mit dem Koordinationsausschuss der Friedensbewegung. Die Adresse des Friedensbüros wurde zur offiziellen Kontaktadresse der FI beim Bonner Koordinierungsbüro der Friedensbewegung. 1986 wurde das Büro in Kirchberg zu klein, weshalb Reinhard Sczech, damals bei IBM beschäftigt und daher kreditwürdig, ein kleines Haus in Kastellaun kaufte, in dem das Friedensbüro seitdem untergebracht war. Vom Friedensbüro aus wurden die „Friedensinformationen“ herausgegeben und an die Aktiven der FI verschickt. Das Büro hatte regen Zulauf von anderen Gruppen der Friedensbewegung und der Presse, sodass zwei weitere Halbtagskräfte eingestellt werden mussten, um die anfallende Arbeit zu bewältigen. Das Friedensbüro wurde zudem zum Treffpunkt der Hunsrücker Friedensbewegung, in dem sich Menschen zum Diskutieren oder zum Planen von Aktionen trafen.345

Der „Verein für friedenspolitische und demokratische Bildung“ stellte keine Konkurrenz zur FI, sondern eine Institutionalisierung des Hunsrücker Friedensengagements dar. Durch die Vereinsgründung genoss die Hunsrücker Friedensbewegung aufgrund der Vereinigungsfreiheit verfassungsrechtlichen Schutz.346 Der „Verein für friedenspolitische und demokratische Bildung“ trat als offizieller Ansprechpartner für Behörden und die Polizei in Erscheinung. Die Akteure innerhalb des Vereins und der FI waren weitgehend die selben, wobei nicht jeder, der in der FI mitarbeitete, auch eine Mitgliedschaft im Verein erwarb. Die Mitglieder des „Vereins für friedenspolitische und demokratische Bildung“ stellten gleichsam den harten Kern der Hunsrücker Friedensbewegung dar.

Heidrun Kisters, Jahrgang 1959, war ab 1983 in der Hunsrücker Friedensbewegung aktiv. In Kappel, acht Kilometer von Hasselbach aufgewachsen, kehrte sie nach dem Studium der Internationalen Agrarwirtschaft 1982 in den Hunsrück zurück. Über den Friedensstammtisch in Kirchberg stieß sie zur FI und arbeitete von 1984 bis 1989 im „Friedensbüro“. Als Angestellte des „Friedensbüros“ war sie hauptsächlich für die Vernetzung mit anderen Friedensgruppen und dem Koordinationsausschuss der Friedensbewegung zuständig. Seit Mitte der 1990er Jahre ist Kisters die Vorsitzende des „Vereins für friedenspolitische und demokratische Bildung“, der bis heute besteht.347

Reinhard Sczech, geboren 1953, war in Kastellaun aufgewachsen. Nach dem Studium der Elektrotechnik war er zunächst als Ingenieur im Irak und in Russland beschäftigt. Ende 1982 zog er wieder in den Hunsrück. Schon vor seinem Engagement in der Friedensbewegung war Sczech als Mitglied bei amnesty international und in der SPD sozial und politisch aktiv. Nach seiner Rückkehr in den Hunsrück schloss er sich dem Friedensstammtisch in Holzbach an und war einer der Initiatoren des Kastellauner Friedensstammtisches.348 Innerhalb der Hunsrücker Friedensbewegung betätigte sich Reinhard Sczech vor allem im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit. Gemeinsam mit anderen Friedensaktivisten erstellte er einen Dia-Vortrag über die Nachrüstung im Hunsrück, den sie in zahlreichen Städten und Dörfern der Bundesrepublik präsentierten, um die Situation im Hunsrück publik zu machen.349 Auch fungierte Sczech als Ansprechpartner für überregionale Medien, die durch die Arbeit der Friedensbewegung immer mehr auf den Hunsrück aufmerksam wurden.350 Seine Kontakte innerhalb der SPD nutzte Sczech, um an Informationen über den Stand der Nachrüstung zu gelangen und um die Anliegen der Friedensbewegung über den SPD-Landtagsabgeordneten Joachim Mertes in das rheinland-pfälzische Parlament zu tragen. Eine Einordnung Reinhard Sczechs in das politische Spektrum wäre allerdings nicht korrekt, da er sich politisch hauptsächlich innerhalb der Friedensbewegung engagierte und seine SPD-Mitgliedschaft nach eigener Aussage vor allem zur Informationsbeschaffung nutzte.351

4.3.4 Das „Hunsrück-Forum“

Die Idee zu einer eigenen Zeitung der Hunsrücker Friedensbewegung stammte von Helmut Jordan, der mit der Publikation eine „Gegenöffentlichkeit zum faktisch bestehenden Pressemonopol des Koblenzer Mittelrheinverlages“352 herstellen wollte. Im Januar 1983 stellte Jordan sein Konzept, noch unter dem Arbeitstitel „Friedens-Forum“, bei einem Treffen der FI in Simmern vor. Die Zeitung sollte zum einen über den NATO-Doppelbeschluss und die geplante Stationierung der atomaren Marschflugkörper im Hunsrück informieren. Zum anderen sollte die Publikation ein Forum für antimilitaristische und pazifistische Ideen und Gedanken bieten und „ein kleines Gegengewicht zum verbreiteten militaristischen Denken der damaligen Zeit des Kalten Krieges schaffen“353. Die Mitglieder der Hunsrücker Friedensbewegung sahen sich zu diesem Zeitpunkt von der Simmerner Lokalredaktion des Mittelrheinverlages, welche den Lokalteil „Hunsrücker Zeitung“ herausgab, und der Koblenzer Redaktion der „Rhein-Zeitung“, welche für die überregionale Berichterstattung verantwortlich war, als linksradikal und verfassungsfeindlich dargestellt und kriminalisiert. Tatsächlich wurde die Friedensbewegung in Artikeln wie „Raketengegner planen Aufstand“ in die geistige Nähe des Kommunismus gerückt.354 Doch wechselte die Perspektive je nach Redakteur; die Berichterstattung war nicht durchgehend gegen die Friedensbewegung gerichtet.355

Die erste Ausgabe des „Hunsrück-Forums/Zeitschrift für Demokratie und Frieden“ kam im April 1983 mit einer Auflage von 1.000 Stück auf den Markt. Das „Hunsrück-Forum“ erschien in der Folgezeit vierteljährlich mit einer Auflage von 1.500 bis 2.000 Exemplaren und kostete zwischen 2,50 DM und 3,00 DM. Im Oktober 1995 wurde die 64. und letzte Ausgabe herausgebracht.356 Vertrieben wurde das „Hunsrück-Forum“ über Abonnements und Verkaufsstellen bei Einzelhandelsgeschäften, Friseuren und Büchereien. Auch außerhalb des Hunsrücks konnte man die Zeitschrift kaufen, beispielsweise in der Mainzer Anna-Seghers-Bücherei.357 Die Zahl der Abonnenten lag nach Angaben von Redaktionsmitglied Horst Petry zu Beginn bei 300 und stieg 1986 aufgrund der gesteigerten öffentlichen Wahrnehmung der Hunsrücker Friedensbewegung durch die Großdemonstration in Hasselbach auf 700 an.358

Die Besetzung der Redaktion änderte sich im Laufe der Jahre mehrfach. Der harte Kern bestand aus dem Sozialarbeiter Helmut Jordan, der auch als Verantwortlicher im Sinne des Presserechts fungierte, dem (nicht mit ihm verwandten) Ehepaar Uschi und Michael Jordan, dem Entwicklungshelfer Manfred Schmitz, dem freiberuflichen Journalisten Wolfgang Bartels und dem Drucker Horst Petry. Abgesehen von Horst Petry stammten die Redakteure der Zeitschrift nicht aus dem Hunsrück, sondern waren Ende der 1970er bzw. Anfang der 1980er Jahre berufsbedingt in die Region gezogen. Als Auslöser ihres Engagements in der Friedensbewegung bezeichneten sie die große militärische Präsenz im Hunsrück, die sie als bedrohlich empfanden, sowie den NATO-Doppelbeschluss. Bis auf Wolfgang Bartels waren die Redakteure des „Hunsrück-Forums“ keine hauptberuflichen Journalisten, hatten aber bereits in anderen Bewegungen wie der Studenten- oder der Gewerkschaftsbewegung mitgearbeitet.359 Zum festen Redaktionsstamm hinzu kam eine Vielzahl freier Mitarbeiter wie Reinhard Sczech, Heidrun Kisters, dem freiberuflichen Journalisten Uwe Anhäuser und vielen anderen aus der Hunsrücker Friedensbewegung, die Beiträge im „Hunsrück-Forum“ veröffentlichten.360

Das „Hunsrück-Forum“ trug sich hauptsächlich durch den Verkaufserlös und durch Anzeigen. Hinzu kamen Spenden von prominenten Unterstützern, wie der Schriftstellerin Gudrun Pausewang oder dem Hunsrücker Regisseur Edgar Reitz.361 Zunächst wurde die Zeitschrift im Selbstverlag produziert und an verschiedenen Stellen gedruckt; ab der zehnten Ausgabe übernahm das Redaktionsmitglied Horst Petry den Druck zum Selbstkostenpreis.362 Da der Telefonanschluss des DKP-Funktionärs Petry ab dann die offizielle Kontaktadresse des „Hunsrück-Forums“ darstellte, wurde die Redaktion im Vorfeld der Großdemonstration in Hasselbach 1986 durch das Bundesinnenministerium beobachtet. Die Beamten konnten allerdings keine Einflussnahme von Seiten der DKP auf das „Hunsrück-Forum“ feststellen.363

Die Berichterstattung des „Hunsrück-Forums“ konzentrierte sich, besonders zu Beginn, auf das Thema Nachrüstung. Äußerst detailliert schrieben die Friedensaktivisten über die Vorgänge rund um den Hunsrück als Stationierungsort der Marschflugkörper und über die Aktionen und Anliegen der Hunsrücker Friedensbewegung.364 Berichte über Militär in der Bundesrepublik und Atomwaffen im allgemeinen sowie über Aktionen der bundesweiten Friedensbewegung fanden ebenfalls Eingang in das „Hunsrück-Forum“.365 Ab 1984 wurden auch Themen, die nicht direkt mit der Bewegung gegen die Nachrüstung zu tun hatten, wie die Dritte Welt und Rechtsradikalismus, behandelt.366 Während über die Nachrüstung im Hunsrück sehr gewissenhaft und faktentreu berichtet wurde, brachten die Redakteure in Artikeln wie „Was ist eigentlich Anarchie?“367 ihre politischen Überzeugungen und persönlichen Ansichten zum Ausdruck, was möglicherweise einen noch größeren Adressatenkreis für das „Hunsrück-Forum“ verhinderte.

Ihre Ziele formulierten die Redakteure in der ersten Ausgabe des „Hunsrück-Forums“ wie folgt: „Wir wollen mit dieser Zeitschrift Informationen nachreichen und zusammenfassen, die wir hier in der Tagespresse vermissen.“368 Dazu nutzten sie Artikel aus überregionalen Medien wie „Stern“ und „Spiegel“ sowie frei zugängliche militärische Fachzeitschriften wie die Informationsschrift der 2. Luftwaffendivision Birkenfeld/Nahe, um den Stationierungsort der Marschflugkörper zu präzisieren.369 Dennoch leitete der Generalbundesanwalt im Juli 1983 ein Ermittlungsverfahren wegen des „Verdachts des Offenbarens von Staatsgeheimnissen“ gegen den presserechtlich verantwortlichen Redakteur Helmut Jordan ein.370 Das Verfahren wurde im Laufe des Jahres 1983 auf die gesamte Redaktion ausgeweitet, aber schließlich am 26. März 1984 eingestellt.371 Die Aufmerksamkeit, die das Verfahren dem „Hunsrück-Forum“ bescherte, führte zu einer Erhöhung der Auflage von 1.000 auf 1.500 Exemplare.372

Erneut ins Visier der Staatsanwaltschaft geriet das „Hunsrück-Forum“ im Jahr 1985. Auslöser war die achte Ausgabe der „Zeitschrift für Demokratie und Frieden“ von April 1985, in der ein Bauplan der „Pydna“ aus dem Staatsbauamt Koblenz abgedruckt war. Der Bauplan war – wie Mitarbeiter des „Hunsrück-Forums“ übereinstimmend berichteten – der Redaktion von Unbekannten in den Briefkasten geworfen worden.373 Aus dem Bauplan ging endgültig hervor, dass die ehemalige „B-Battery“ bei Hasselbach zum Stationierungsort für die atomar bestückten Marschflugkörper ausgebaut werden sollte.374 Außerdem enthielt die achte Ausgabe des „Hunsrück-Forums“ eine selbst erstellte Karte der „Stationierungsorte Cruise Missiles und Patriot“, auf der weitere Militäranlagen im Hunsrück wie die neu gebaute Stellung für Flugabwehrraketen des Typs „Patriot“ bei Grenderich, zwanzig Kilometer von Hasselbach entfernt, aufgezeigt wurden.375

Die Koblenzer Staatsanwaltschaft nahm daraufhin im April 1985 die Ermittlungen auf und durchsuchte mit mehr als zwei Dutzend Polizisten die Wohnungen und teilweise auch die Arbeitsplätze der Redakteure sowie die Räume des Friedensbüros in Kirchberg. Außerdem wurde die Druckerei der DKP Rheinland-Pfalz, wo die achte Ausgabe des „Hunsrück-Forums“ gedruckt worden war, durchsucht, um an die Druckvorlage für den Lageplan zu kommen. Gegen Helmut Jordan wurde als presserechtlich verantwortlichen Redakteur ein Ermittlungsverfahren wegen „sicherheitsgefährdenden Abbildens“ und „öffentlicher Aufforderung zu Straftaten“ eingeleitet.376 Der zweite Vorwurf bezog sich auf einen Aufruf der DFG-VK zu einer Kampagne gegen die unterschiedliche Dauer von Wehr- und Zivildienst, in dem Zivildienstleistende dazu aufgefordert wurden, nach dem durchschnittlichen Grundwehrdienst von fünfzehn Monaten und drei Tagen „die Koffer zu packen“.377 Dieser Aufruf war ebenfalls in der achten Ausgabe des „Hunsrück-Forums“ erschienen.378

Der Fall erregte bundesweit Aufsehen, da der Bauplan bereits im Oktober 1984 in der Berliner „Tageszeitung“ veröffentlicht worden war, ohne dass Ermittlungen erfolgten. Auch war der Aufruf zum „Koffer packen“ schon mehr als ein Jahr zuvor in dem DFG-VK-Informationsdienst „Südwest-Kontakte“ erschienen und hatte keinerlei strafrechtliche Konsequenzen für die Herausgeber zur Folge gehabt.379 Überregionale Zeitungen wie die „Frankfurter Rundschau“ und die „Tageszeitung“ berichteten ausführlich über die Durchsuchungen und die Ermittlungen der Koblenzer Staatsanwaltschaft.380 Der „Spiegel“ brachte Ende April einen Artikel zu den Vorfällen und druckte im Zuge dessen den Bauplan ab.381 Daraufhin wurde auch gegen den „Spiegel“ ermittelt, das Verfahren jedoch im August 1985 eingestellt.382

In der Folge kam es, auch von außerhalb der Friedensbewegung, zu einer Solidarisierung mit dem „Hunsrück-Forum“. Die FI wehrte sich durch symbolische und mit den Betroffenen abgesprochene Anzeigen gegen Ärzte und Rechtsanwälte, die den „Spiegel“ mit dem Abdruck des Bauplans in ihren Wartezimmern ausliegen hatten.383 Reinhard Sczech kündigte dem zuständigen Oberstaatsanwalt Wippermann an, dass er öffentlich Kopien des Bauplans aus dem „Spiegel“ vor dem Amtsgericht in Simmern verteilen werde. Vor den laufenden Kameras der ARD-Sendung „Monitor“ konfiszierten Polizeibeamte am 1. Juli 1985 die Kopien, nicht aber Sczechs Ausgabe des „Spiegel“.384 Gegen Sczech wurde ein Ermittlungsverfahren wegen „sicherheitsgefährdenden Abbildens“ eingeleitet, welches jedoch am 9. August eingestellt wurde.385 Auch der SPD-Landtagsabgeordnete Joachim Mertes verteilte Kopien des Bauplans in seinem Bürgerbüro, in einer Sitzung im Simmerner Kreistag und an die SPD-Fraktion im Mainzer Landtag.386 Die Grünen druckten den Bauplan im „Grünen Rheinland-Pfälzer“ ab;387 Aktion Sühnezeichen veröffentlichte die Zeichnung in seiner Zeitschrift „Pax An“.388 Erneut führte die Berichterstattung über die Ermittlungen gegen das „Hunsrück-Forum“, besonders in überregionalen Medien, zu einem steigenden Absatz der Zeitschrift .389 Zahlreiche Briefe aus der gesamten Bundesrepublik erreichten die Hunsrücker Friedensbewegung, in denen Menschen ihre Solidarität mit dem „Hunsrück-Forum“ bekundeten.390

Mit dem Ende des Kalten Krieges und dem Abtransport der Marschflugkörper aus dem Hunsrück ging die Auflage des „Hunsrück-Forums“ zu Beginn der 1990er Jahre auf 1.000 Exemplare zurück. Doch gelang es dem „Hunsrück-Forum“, sich noch bis Mitte der 1990er Jahre zu erhalten und sich thematisch weiter zu entwickeln. Dies war möglich, da die Redaktion bereits vorher neben dem Schwerpunkt Nachrüstung andere Themenbereiche behandelt hatte. Die Aufmerksamkeit der Redaktion galt nach dem INF-Vertrag den Bereichen Konversion und Tiefflug-Lärm; die Themen waren weiterhin zumeist regionaler Natur.391 Im Oktober 1995, neun Jahre nachdem die Hunsrücker Friedensbewegung mit der Großdemonstration von Hasselbach ihren Höhepunkt erlebt hatte, erschien die letzte Ausgabe des „Hunsrück-Forums“.

4.3.5 Von Gruppen unabhängiges Engagement aus der Hunsrücker Bevölkerung

Zwei Beispiele für Engagement in der Hunsrücker Friedensbewegung, das unabhängig von Gruppen oder Organisationen stattfand, sind Lore Kneip und Hilde Brück. Beide waren zur Zeit der Friedensbewegung schon fast fünfzig Jahre alt und stammten aus dem Hunsrück. Sie hatten ihr bisheriges Leben in dieser Region verbracht, ohne sich an der Militärpräsenz zu stören: „Damals habe ich wirklich geglaubt, das muss so sein, wir werden bedroht vom Osten und das ist für unsere Sicherheit.“392 Beide Frauen waren bisher eher unpolitisch gewesen; die bevorstehende Stationierung der Marschflugkörper im Hunsrück war für sie der Anstoß zur Mitarbeit in der Friedensbewegung.393 Zwar war ihr Engagement in der Hunsrücker Friedensbewegung deutlich höher als das der Hunsrücker im allgemeinen, dennoch stehen Lore Kneip und Hilde Brück stellvertretend für den Teil der Hunsrücker Bevölkerung, der durch die regionalen Folgen des NATO-Doppelbeschlusses zum ersten Mal politisch aktiv wurde und sich aus persönlicher Betroffenheit der Friedensbewegung anschloss. Auch zeigt sich an ihrem Beispiel die Bedeutung der Frauen innerhalb der Hunsrücker Friedensbewegung.

Lore Kneip bewirtschaftete mit ihrer Familie einen Aussiedlerhof in Bell. Die Presseberichte über die Stationierung der Pershing-II-Raketen in Mutlangen hatten sie bereits „bedrückt“; ein Artikel im „Spiegel“ über die Nachrüstung im Hunsrück gab für sie den Ausschlag, sich der Friedensbewegung anzuschließen.394 Zunächst sammelte sie zusammen mit anderen Frauen aus Bell Unterschriften gegen die Nachrüstung. In einem offenen Brief an den Bürgermeister und die Gemeinderäte forderten die Frauen im Februar 1984 dazu auf, sich in der anstehenden Gemeinderatssitzung mit der geplanten NATO-Baumaßnahme zu befassen. Daraufhin fand am 22. März 1984 eine öffentliche Anhörung statt, bei der die betroffenen Gemeinden den Bau ablehnten.395

Auf der Ostermarschkundgebung 1984 in Kastellaun hielt Lore Kneip zusammen mit Hilde Brück eine Rede vor den anwesenden 2.000 Teilnehmern.396 Darin brachte sie ihre Angst vor den Folgen der Marschflugkörper-Stationierung zum Ausdruck und forderte ihre Mitbürger zum Protest auf: „Ich fühle mich hier in meiner Heimat nicht mehr wohl. (…) Wo Raketen stationiert werden, besteht die Gefahr, dass Raketen zurückkommen. (…) Viele sagen, man kann nichts dagegen tun. Aber wenn jeder aus seiner Anonymität heraustreten und sagen würde, ich finde das schlecht, was hier geschieht und ich bin dagegen, dann würde es anders aussehen.“397

Ab 1984 stellte Lore Kneip der FI einen ihrer Äcker als „Friedensacker“ auf unbestimmte Zeit zur Verfügung.398 Zunächst wurde das Engagement der Landwirtin von der Mehrheit der Dorfbevölkerung noch mit Misstrauen gesehen und sie gefragt, was sie „denn da oben gepflanzt“ habe. Doch als die Holzkreuze mehrere Male von Unbekannten umgerissen worden waren, solidarisierten sich viele Skeptiker mit der Friedensbewegung und halfen beim Aufrichten der Kreuze.399

Hilde Brück aus dem Dorf Gödenroth in der Verbandsgemeinde Kastellaun brachte ihren Protest gegen die Stationierung der Marschflugkörper dadurch zum Ausdruck, dass sie als Schreinerin keine Aufträge annahm, die mit dem Bau der „Pydna“ zu tun hatten. Trotz der wirtschaftlichen Einbußen, die sie dadurch in Kauf nahm, lehnte sie mehrfach Aufträge an der NATO-Baustelle ab und forderte auf der Ostermarschkundgebung 1984 andere Handwerker und Unternehmer zu gleichem Handeln auf: „Überlegt Euch, was Ihr da bauen müsst. Eure Arbeiten werden es erst möglich machen, diese Zerstörungskraft in Bewegung zu bringen. Wenn Ihr keine Aufträge annehmt, habt Ihr bei Euch schon was verändert.“400

Hilde Brück hatte im Gegensatz zur Mehrheit der Hunsrücker Bevölkerung von Beginn an keine Berührungsängste mit den Friedensaktivisten, die von außerhalb in den Hunsrück kamen. Sie beteiligte sich am ersten „Frauenwiderstandscamp“, das im Sommer 1983 in der Ortsgemeinde Reckershausen bei Kirchberg stattfand. Dies wurde von ihren Mitbürgern eher skeptisch gesehen; das Widerstandscamp, an dem mehrheitlich Frauen aus dem städtischen Bereich, viele von ihnen aus der alternativen Szene oder homosexuell, teilnahmen, war der ländlichen Hunsrücker Bevölkerung suspekt. Als das zweite Camp im Sommer 1984 von der Polizei geräumt wurde, stellte Hilde Brück den Frauen ihre Wiese zur Verfügung.401 Für ihre Beteiligung an einer Blockade-Aktion an der „Pydna“ wurde Hilde Brück 1987 wegen Nötigung vom Amtsgericht Simmern zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen à 15 DM verurteilt, aber genau wie die anderen Blockade-Teilnehmer zehn Jahre später nach einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts rückwirkend freigesprochen.402

4.3.6 Auswärtige Friedensaktivisten im Hunsrück

Im Hunsrück entstand die Friedensbewegung zwar aus der einheimischen Bevölkerung heraus, dennoch gab es Friedensaktivisten, die eigens zum Protest gegen die Stationierung der Marschflugkörper bzw. zur Mitarbeit in der Hunsrücker Friedensbewegung in die Region kamen. Die ersten auswärtigen Aktivisten waren die Teilnehmerinnen der „Frauenwiderstandscamps“, die ab Sommer 1983 jeweils in der Nähe von Kirchberg stattfanden. Im „Frauenwiderstandscamp“ versammelten sich Feministinnen aus dem gesamten Bundesgebiet, um vor Ort gegen die Nachrüstung zu demonstrieren. Die Teilnehmerinnen des Camps übten eine fundamentalere Gesellschaftskritik als die Hunsrücker Friedensbewegung und waren auch in ihren Mitteln radikaler als die Hunsrücker Aktivisten zu dieser Zeit.403 So besetzten zwanzig Frauen des zweiten „Frauenwiderstandscamps“ im August 1984 für mehrere Stunden einen Baukran auf der „Pydna“. Die Polizei räumte den Kran daraufhin gewaltsam; das Camp wurde mit Frontladern niedergerissen.404 Aufgrund solcher Aktionen kam es durchaus zu Kontroversen mit der einheimischen Bevölkerung, die mit den Feministinnen, die vorwiegend aus dem städtischen Bereich stammten, und ihren Protestformen wenig anzufangen wusste. Dies lag zum einen an der Hunsrücker Bevölkerung, die gewisse Ressentiments gegen die Frauen des Widerstandscamps und deren Lebensstil hatte. Zum anderen lag es an den Frauen selbst, die sich in der Mehrzahl nicht bemühten, den Einheimischen ihr Anliegen und ihre Aktionsformen zu vermitteln.405

Besser integriert in die Hunsrücker Gesellschaft waren die christlichen Friedensaktivisten, die von außerhalb in den Hunsrück kamen. In den Jahren 1985 bis 1988 fanden sich an Pfingsten die „Ordensleute für den Frieden“ in einem Camp am Stationierungsort zu mehrtägigen Gebeten zusammen.406 Clemens Ronnefeldt, Vorsitzender von Pax Christi im Bistum Mainz, zog 1986 mit seiner Frau in den Hunsrück, um die Friedensbewegung zu unterstützen. Eine Pax-Christi-Basisgruppe für den Hunsrück wurde gegründet, die sich am ökumenischen Friedensgebet vor der „Pydna“ beteiligte. Mitglieder von Pax Christi, unter anderem auch Clemens Ronnefeldt, nahmen im November 1986 sowie im Mai und Oktober 1987 an den Blockade-Aktionen vor der Raketenstation teil.407 Die amerikanische christliche Friedensorganisation „Church and Peace“ entsandte einen Friedensarbeiter, der Gesprächskontakte zum amerikanischen Militär knüpfte und der Hunsrücker Friedensbewegung Begegnungen mit ranghohen Militärs ermöglichte.408 Die Präsenz auswärtiger Friedensaktivisten im Hunsrück kann auf die verstärkte Öffentlichkeitsarbeit der FI ab 1983 durch das „Hunsrück-Forum“ und das Friedensbüro zurückgeführt werden. Ein hilfreicher Umstand mag auch die Ausstrahlung des ersten Teils von Edgar Reitz’ Fernseh-Trilogie „Heimat“ im Jahr 1984 in der ARD gewesen sein. Viele Zuschauer wurden durch die populäre Serie über das Leben einer Hunsrücker Bauernfamilie in dem fiktiven Dorf „Schabbach“ auf den Hunsrück aufmerksam. Das Dorf Woppenroth, in dem „Heimat“ gedreht wurde, wurde zum Anziehungspunkt für Touristen, was die FI mit dem Aufstellen von Informationsständen über die Nachrüstung für sich zu nutzen versuchte.409 Auch bot die bundesweite Aufmerksamkeit den Hunsrücker Friedensaktivisten eine gute Gelegenheit, um mit ihrem Dia-Vortrag über die Stationierung der Marschflugkörper im Hunsrück durch die Bundesrepublik zu reisen.410

4.4 Die Entwicklung der Friedensbewegung

Die Entwicklung der Hunsrücker Friedensbewegung lässt sich wie die der bundesweiten Friedensbewegung in vier Entwicklungsstufen bzw. Phasen einteilen. Die Phasen sind auch für die Hunsrücker Friedensbewegung, wie es Janning für die bundesweite Friedensbewegung formuliert, „nicht trennscharf zu bestimmen; sie überlappen einander“.411 Im Gegensatz zur bundesweiten Friedensbewegung, die durch das Phasenmodell von Janning nur bis zum „heißen Herbst“ 1983 vor der Abstimmung über den NATO-Doppelbeschluss im Bundestag erfasst wird,412 ist es möglich, die Entwicklung der Hunsrücker Friedensbewegung bis zu ihrem Abklingen nach dem INF-Vertrag im Dezember 1987 anhand des Phasenmodells zu beschreiben.

Dies hat mehrere Gründe: Erstens verlief die Entwicklung der Hunsrücker Friedensbewegung im Vergleich zur bundesweiten Friedensbewegung langsamer und daher zeitlich versetzt ab. Großen Zulauf erhielt sie erst Ende 1982 durch einen Artikel im Wochenmagazin „Stern“, in dem der Hunsrück erstmals öffentlich als Stationierungsort der Marschflugkörper genannt wurde.413 Ihren Höhepunkt erreichte die Hunsrücker Friedensbewegung dann im Oktober 1986 mit der Großdemonstration von Hasselbach – zu einem Zeitpunkt, als die Friedensbewegung in der Bundesrepublik von Wissenschaftlern, Politikern und Journalisten sowie von nicht wenigen Aktivisten selbst schon mehrfach für beendet erklärt worden war.414 Zweitens schien das positive Votum des Bundestags zur Nachrüstung am 22. November 1983 die Hunsrücker Friedensbewegung nicht in ihrem Engagement zu schwächen. Im Gegenteil: Erst 1984 wurden der „Verein für friedenspolitische und demokratische Bildung“ und das „Friedensbüro“ gegründet; die Ostermärsche im Hunsrück verzeichneten bis einschließlich 1986 steigende Teilnehmerzahlen.415 Drittens verband die Hunsrücker Friedensbewegung mehr als ein „Minimalkonsens“. Die Bewegung funktionierte über persönliche Kontakte und die gemeinsame Identität als „Hunsrücker“, auf die sich die Aktivisten immer wieder beriefen.

4.4.1 Diskussionsphase

Die Diskussionsphase begann im Jahr 1979 mit der Gründung einer DFG-VK-Gruppe in der Kreisstadt Simmern. Die Kriegsdienstverweigerer führten eine öffentliche Aktion zum Umtausch von Kriegsspielzeug durch und protestierten gegen eine Bundeswehrausstellung in Simmern.416 An Ostern 1981 veranstaltete die DFG-VK eine „Osterfriedensfahrt“ mit dem Fahrrad zum US-Flugplatz Hahn, an der etwa 100 Menschen teilnahmen.417

Friedensarbeit auf dem Hunsrück als Teil der Friedensbewegung begann im November 1981, als die DFG-VK zur Teilnahme an der bundesweiten Friedenswoche aufrief. Aus verschiedenen politischen Jugendverbänden, Parteien, Umweltschutzorganisationen, gewerkschaftlichen Arbeitskreisen, Kirchengemeinden und Einzelpersonen bildete sich die „Initiative Friedenswoche Rhein-Hunsrück“, welche die erste Hunsrücker Friedenswoche mit fast 50 Veranstaltungen in Gaststätten und Gemeindehäusern der Dörfer durchführte. Die Koordinationstreffen, die im Vorfeld der Friedenswoche in Simmern stattfanden, wurden auch danach beibehalten; es nahmen regelmäßig mehr als vierzig Personen teil.418 1982 veranstaltete die „Initiative Friedenswoche Rhein-Hunsrück“ den ersten „Osterfriedensmarsch“. Rund 400 Teilnehmer marschierten unter dem Motto „Wir überlassen die Friedensarbeit nicht Königen, Ministern, Generälen, Schauspielern u.a.“ zum Flughafen Hahn, wo ein Friedensgottesdienst stattfand. Die Forderungen lauteten: „Keine Stationierung von Atomwaffen auf dem Flughafen Hahn und Umleitung der Stationierungskosten in nichtmilitärische Bereiche.“419

Obwohl die Teilnehmerzahl 1982 im Vergleich zum Vorjahr stark angestiegen war, hatte die Friedensbewegung zu diesem Zeitpunkt noch keinen großen Rückhalt in der Hunsrücker Bevölkerung. Dies belegt eine Begebenheit am Rande des Ostermarschs: Ein Vertreter der Gemeinde Hahn sollte bei der Abschlusskundgebung als Redner auftreten. Er lehnte dies jedoch mit der Begründung ab, dass sein Sohn im öffentlichen Dienst beschäftigt sei und er „ihm keine Schwierigkeiten am Arbeitsplatz bereiten“ wolle.420

Größeren Zulauf erhielt die Hunsrücker Friedensbewegung durch einen Artikel im Wochenmagazin „Stern“ vom 2. Dezember 1982. Unter der Überschrift „Nachrüstung Bauplatz Hunsrück“ wurde erstmals die Ortsgemeinde Wüschheim als Stationierungsort der Marschflugkörper in der Bundesrepublik genannt.421 Etwa 120 Menschen fanden sich daraufhin zu einer spontanen Demonstration gegen die Stationierung in Wüschheim zusammen.422 Die „Initiative Friedenswoche Rhein-Hunsrück“ wurde in „Friedensinitiative Rhein-Hunsrück“ (FI) umbenannt; die Zusammensetzung innerhalb der Initiative verschob sich, so dass Bürger, die nicht in Gruppen oder Organisationen tätig waren, nun die Mehrheit bildeten.423 Die regelmäßigen Treffen der FI im „Schínderhannesturm“ in Simmern waren bald so stark frequentiert, dass sich die Hunsrücker Friedensbewegung zu Beginn des Jahres 1983 dezentralisierte. Örtliche Friedensgruppen wurden ins Leben gerufen, die sich wöchentlich zu einem „Friedensstammtisch“ in den Gaststätten der Dörfer trafen. Erste „Friedensstammtische“ entstanden in Holzbach und Kastellaun; es folgten Stammtische in Simmern, Kirchberg, Rheinböllen und anderen Ortsgemeinden.424

4.4.2 Appellationsphase

Ein genaues Datum für den Übergang zwischen Diskussions- und Appellationsphase lässt sich nicht bestimmen, da die Hunsrücker Friedensbewegung keinen gemeinsamen Aufruf, wie ihn etwa der „Krefelder Appell“ auf Bundesebene darstellte, verfasste. Zudem blieb die Hunsrücker Friedensbewegung in ihrer Struktur nicht stehen, sondern entwickelte und vergrößerte sich bis spätestens zur Großdemonstration im Oktober 1986 fortlaufend; die zweimalige Umbenennung in „Friedensinitiative Rhein-Hunsrück-Mosel“ bzw. in „Friedensinitiative Rhein-Hunsrück-Mosel-Nahe“ ist Beleg dafür.425

Zum ersten aktiven Protest der Hunsrücker Friedensbewegung kam es im Januar 1983. Unter der Code-Bezeichnung „Compass Point“ führte die amerikanische Armee ein umfangreiches Manöver im Hunsrück durch. Spontan behinderten 50 Hunsrücker Friedensaktivisten für mehrere Stunden das Abladen von US-Panzern am Bahnhof von Simmern. Dabei gab es einen tragischen Zwischenfall: Während des Manövers wurden zwei Frauen von Panzern überrollt und getötet. Bei der Feier zum Abschluss des Manövers kam es zudem zur ersten Auseinandersetzung zwischen Vertretern der Friedensbewegung und andersdenkenden Hunsrückern. Nach Darstellung des Friedensaktivisten Helmut Jordan wurden Angehörigen der FI, die sich zum Protest unter die US-Militärkapelle gemischt hatten, ihre Transparente von Zuschauern aus der Hand gerissen und in den vorbeifließenden Bach geworfen.426

Im Laufe des Jahres verbreiterte sich das Engagement der Friedensbewegung; die Aktionsformen wurden vielfältiger. Mit der Hunsrücker Verbandsgemeinde Herrstein erklärte sich zu Beginn des Jahres 1983 die erste Gemeinde in Rheinland-Pfalz zur „atomwaffenfreien Zone“.427 Daraufhin gründete sich eine Initiative „Hunsrück – Atomwaffenfreie Zone“. Diese sammelte innerhalb weniger Wochen mehr als 1.500 Unterschriften.428 Beim Ostermarsch 1983 trat mit Alfred Mechtersheimer erstmals ein auswärtiger Friedensaktivist im Hunsrück als Redner auf. Der Friedensforscher und Oberstleutnant a.D. forderte die 500 Teilnehmer während der Abschlusskundgebung auf dem Marktplatz von Bell zum gewaltfreien Widerstand gegen die geplante Stationierung der Mittelstreckenraketen auf.429

Der nächste Schritt in der Appellationsphase der Hunsrücker Friedensbewegung bestand im Erscheinen des „Hunsrück-Forums“ im April 1983. Die Friedensaktivisten traten mit einer eigenen Publikation an die Öffentlichkeit, um Informationen über die Nachrüstung in ihrer Region zusammenzufassen und den Hunsrücker Bürgern zugänglich zu machen.430 Im Frühjahr 1983 wurde aus amerikanischen Quellen Wüschheim als Stationierungsort bekannt: In einem Ausschussprotokoll des amerikanischen Repräsentantenhauses von März und April, in dem Anhörungen über den Bau militärischer Einrichtungen im Haushaltsjahr 1984 festgehalten waren, war aus Versehen der Name „Wüschheim“ als Standort nicht gelöscht worden.431 Dadurch wurde die Stationierung der Marschflugkörper im Hunsrück amtlich. Das „Hunsrück-Forum“, das aufgrund des „Stern“-Artikels nachrecherchiert hatte, veröffentlichte dies in seiner Ausgabe von September/Oktober 1983.432

Weitere Aktionen zum Protest gegen die Stationierung der Marschflugkörper bildeten das erste „Frauenwiderstandscamp“, das von Juli bis August in Reckershausen stattfand, sowie das Friedensgebet, das ab August 1983 jeden Sonntag vor dem Haupttor des Stationierungsgeländes gehalten wurde.433 Durch das verstärkte öffentliche Auftreten der Friedensbewegung wurden staatliche Organe auf die Aktivisten aufmerksam. Polizisten in Zivil erschienen zu den „Friedensstammtischen“,434 und der Generalbundesanwalt leitete im Juli 1983 das erste Ermittlungsverfahren wegen des „Verdachts des Offenbarens von Staatsgeheimnissen“ gegen die Redaktion des „Hunsrück-Forums“ ein.435

Das Hauptanliegen der Friedensbewegung während der Appellationsphase bestand darin, die Hunsrücker Bevölkerung über die geplante Stationierung der Marschflugkörper in Hasselbach zu informieren. Ein wichtiger Schritt war dabei, neben der Gründung des „Hunsrück-Forums“, die Einrichtung des „Friedensbüros“ in Kirchberg im Februar 1984.436 Die Informationspolitik der Friedensbewegung zeigte Wirkung: In einer öffentlichen Anhörung der betroffenen Gemeinden am 22. März 1984 lehnten die Gemeinderäte das NATO-Bauvorhaben in ihrer Gemarkung einstimmig ab. Der Anhörung war eine Bürgerbefragung vorausgegangen, in der sich 65 Prozent der Wahlberechtigten der Großgemeinde Bell gegen die Baumaßnahme ausgesprochen hatten. Das Votum der Gemeinden wurde durch die zuständigen Behörden an das Verteidigungsministerium weitergeleitet. Das Ministerium lehnte die Einwände der Gemeinden am 13. April 1984 offiziell ab und bestätigte das Bauvorhaben, welches am 30. Januar begonnen hatte.437

Wie der Bürgermeister von Hasselbach, Hartmut Pomrehn, in einem Fernseh-Interview bestätigte, erfolgte die Abstimmung gegen die Baumaßnahme aufgrund von Informationen der Friedensbewegung. Diese habe als einzige konkrete und verlässliche Fakten zu dem Bauvorhaben liefern können, während von der zuständigen Verwaltung keine Informationen zu bekommen gewesen seien. Damit habe die Friedensbewegung auch die anfängliche Skepsis in der Bevölkerung und bei Pomrehn selbst beseitigen können.438 Die Ablehnung des Bauvorhabens durch die betroffenen Gemeinden bildete den Endpunkt der Appellationsphase.

4.4.3 Demonstrationsphase

Nachdem sie das Bauvorhaben auf dem kommunalverfassungsrechtlichen Weg nicht hatten verhindern können, setzten die Friedensaktivisten verstärkt auf öffentlichkeitswirksame Aktionen und versuchten, ihr Anliegen überregional publik zu machen. Der Hunsrücker Ostermarsch wurde im Jahr 1984 zum ersten Mal in Zusammenarbeit mit dem „Ostermarschkreis Rheinland-Pfalz“ veranstaltet und damit Teil der rheinland-pfälzischen Friedensaktivitäten. Rund 2.000 Menschen marschierten am 22. April von Bell aus am Stationierungsgelände vorbei nach Kastellaun. Auf der Abschlusskundgebung traten neben einem Vertreter der amerikanischen „Freeze“-Bewegung439 und der rheinland-pfälzischen DGB-Funktionärin Lilo Rademacher auch Lore Kneip und Hilde Brück als Vertreterinnen der FI auf.440 Zum Zeichen ihres Protests gegen die Stationierung der Marschflugkörper legten christliche Friedensaktivisten an Ostern den „Friedensacker“ mit 96 Holzkreuzen an.441

Die FI knüpfte nun vermehrt Verbindungen zu Friedensgruppen außerhalb des Hunsrücks. Kontakte zu den britischen und italienischen Stationierungsorten für atomar bestückte Marschflugkörper wurden hergestellt; der ehemalige Bürgermeister von Comiso/Sizilien besuchte den Hunsrück. Vertreter der FI, unter anderem Gerhard Lorenz und Reinhard Sczech, bereisten mit Dia-Vorträgen, in denen rüstungspolitische und ökologische Fragen im Zusammenhang mit der Stationierung erläutert wurden, die Bundesrepublik.442 Auf der bundesweiten Großdemonstration im Oktober 1984 in Bonn trat mit Jutta Dahl erstmals ein Mitglied der Hunsrücker Friedensbewegung als Rednerin auf.443

Zudem wurden die Formen des Protests weiter ausgeweitet. Friedensaktivisten veranstalteten Mahnwachen vor dem Stationierungsgelände und in den größeren benachbarten Orten wie Kirchberg, Kastellaun und Simmern. Vereinzelt wurden Aktionen durchgeführt, die über passiven Protest hinausgingen. Dazu zählte die Besetzung eines Baukrans auf der NATO-Baustelle durch Teilnehmerinnen des zweiten „Frauenwiderstandscamps“ im August 1984, was die Auflösung des Camps durch die Polizei zur Folge hatte.444 Diese ersten „Aktionen zivilen Ungehorsams“ im Hunsrück wurden von einzelnen Gruppen bzw. Personen und meist spontan durchgeführt; dies änderte sich während der Aktionsphase, als breit angelegte und geplante Blockade-Aktionen am Stationierungsgelände stattfanden.

Während der Demonstrationsphase zeigte sich, dass sich die Mehrheit innerhalb der Hunsrücker Friedensbewegung stark auf die Verhinderung der Marschflugkörper-Stationierung als Anliegen konzentrierte. Dadurch entwickelte sich eine Einseitigkeit, die nach dem INF-Vertrag maßgeblich zur Auflösung der Hunsrücker Friedensbewegung beitrug. So berichtete das „Hunsrück-Forum“ im Oktober 1984 und im Januar 1985 ausführlich über den Bau zweier neuer Militäranlagen im Hunsrück zur Stationierung von Flugabwehrraketen des Typs „Patriot“.445 Die Enthüllung dieser Bauvorhaben erbrachte jedoch „nicht annähernd so viel konkrete Widerstandskraft“446 wie zuvor die Nachricht vom Bau der „Pydna“ zur Stationierung der Marschflugkörper.

Das Jahr 1985 war geprägt von den Ermittlungen rund um das „Hunsrück-Forum“, die in Kapitel 4.3.4 ausführlich dargestellt worden sind. Wieder wurde der rheinland-pfälzische Ostermarsch im Hunsrück am Stationierungsgelände durchgeführt; die Teilnehmerzahl stieg auf 3.000 an. Auch im folgenden Jahr fand der rheinland-pfälzische Ostermarsch mit erneut steigender Teilnehmerzahl im Hunsrück statt: 4.000 Menschen aus ganz Rheinland-Pfalz marschierten an Ostern 1986 an der „Pydna“ entlang.447 Zur gesteigerten Aufmerksamkeit beigetragen hatten wahrscheinlich erste längere Berichte über die Hunsrücker Friedensbewegung in überregionalen Medien.448

Im Februar 1986 wurde auf der Aktionskonferenz der Friedensbewegung in Bonn-Beuel beschlossen, die nächste bundesweite Großdemonstration am 11. Oktober 1986 im Hunsrück bei Hasselbach und Bell durchzuführen.449 Im Zuge der Großdemonstration sollten „Aktionen zivilen Ungehorsams“ am Stationierungsgebiet durchgeführt werden.450 Im Vorfeld der Großdemonstration wurde dieser Beschluss innerhalb des Koordinationsausschusses der Friedensbewegung und innerhalb der FI, welche die Demonstration gemeinsam vorbereiteten, erneut diskutiert.

Während Teile des Koordinationsausschusses, unter anderem die Bundeskonferenz unabhängiger Friedensgruppen (BUF), „Aktionen zivilen Ungehorsams“ durchführen wollten, um ihr Anliegen stärker zum Ausdruck zu bringen, standen die im Koordinationsausschuss vertretenen Parteien diesem Plan ablehnend gegenüber, da sie im Bundestagswahlkampf nicht mit unfriedlichen Aktionen in Verbindung gebracht werden wollten.451 Innerhalb der Hunsrücker Friedensbewegung sprach sich die Mehrheit der Aktivisten gegen „Aktionen zivilen Ungehorsams“ in Verbindung mit der Großdemonstration aus. Es gab Bedenken, dass durch Blockaden und den damit verbundenen Polizeieinsatz das mittlerweile gute Verhältnis der FI zur übrigen Bevölkerung gestört werden könnte. Die FI wollte eine Demobilisierung der Hunsrücker Bevölkerung durch die Ankündigung von Blockaden vermeiden, da die Menschen ähnliche Vorfälle wie in Wackersdorf, wo bei Protesten gegen den Bau einer atomaren Wiederaufbereitungsanlage im März 1986 zwei Menschen ums Leben gekommen waren, befürchten und der Demonstration daher fernbleiben könnten. Daher wurde beschlossen, „Aktionen zivilen Ungehorsams“ erst nach der Demonstration durchzuführen.452

Die Großdemonstration am 11. Oktober 1986 in Hasselbach bildete den Höhepunkt der Hunsrücker Friedensbewegung und den Endpunkt der Demonstrationsphase. Mehr als 150.000 Demonstranten – nach Angaben der Veranstalter waren es sogar 180.000 bis 200.000 Teilnehmer – aus der ganzen Bundesrepublik fanden sich im Hunsrück ein und marschierten vom Bahnhof in Kastellaun bzw. von Hasselbach aus am Stationierungsgelände vorbei nach Bell. Es gelang der Friedensbewegung, auch die Hunsrücker Bevölkerung zu mobilisieren; etwa 10.000 Hunsrücker nahmen nach Schätzungen der FI an der bis dahin größten Demonstration in Rheinland-Pfalz teil.453 Auf der Abschlusskundgebung traten neben August Dahl und Gerhard Lorenz als Vertreter der Hunsrücker Friedensbewegung unter anderem auch die Mainzer Theologieprofessorin Luise Schottroff, Horst Klaus vom DGB und der Zukunftsforscher Robert Jungk sowie die Musiker Udo Lindenberg und Hannes Wader auf.454

Die Demonstration verlief friedlich, was vor allem auf die enge Zusammenarbeit zwischen der Polizei, die 5.000 Beamte im Einsatz hatte, und den Veranstaltern zurückzuführen war. Vertreter der FI, unter ihnen August Dahl, hatten im Vorfeld der Veranstaltung Polizeischulen in der Region besucht und den Polizisten ihr Anliegen und ihr Konzept für die Demonstration erläutert.455 Die Polizei wendete bei der Demonstration ein neues Einsatzkonzept an, zu dem unter anderem das Verteilen von Aufklebern und Informationsblättern an die Demonstranten mit der Bitte um Kooperation und um friedliches Verhalten gehörte.456 Die Großdemonstration bescherte der Hunsrücker Friedensbewegung ein bundesweites Medienecho. Die Reaktionen waren durchgehend positiv. Überregionale Zeitungen wie „Bild“, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ und „Süddeutsche Zeitung“ lobten den friedlichen Ablauf der Veranstaltung.457 Auch die „Rhein-Zeitung“, deren Verhältnis zur FI bis dahin eher angespannt war, berichtete ausführlich und betonte den friedlichen Charakter der Demonstration.458

Fehlender Abschnitt 4.4.4 „Aktionsphase“Das Inhaltsverzeichnis der Arbeit führt einen Abschnitt 4.4.4 „Aktionsphase“ auf. In der Textfassung, die seit 2014 auf pydna.de stand, fehlt er – vermutlich ist er beim Einpflegen verloren gegangen. Die zugehörigen Anmerkungen 459 bis 463 sind erhalten und unten mit aufgeführt.

Anmerkungen

  1. Vgl. Hunsrück-Forum, Extraausgabe „Militarisierung und Widerstand im Hunsrück“ 1986.
  2. Vgl. Informationsschrift der 2. Luftwaffendivision Birkenfeld/Nahe, zitiert nach: Hunsrück-Forum, Extraausgabe „Militarisierung und Widerstand im Hunsrück“ 1986.
  3. Nike-Herkules-Raketen sind nuklearfähige Flugabwehrraketen (Vgl. Bundesminister der Verteidigung, 14).
  4. In den Unterlagen des US-Repräsentantenhauses wurde Wüschheim als Stationierungsort angegeben. Tatsächlich entstand die „Pydna“ zwischen den Dörfern Hasselbach und Bell, weswegen zumeist Hasselbach als Stationierungsort der Marschflugkörper genannt wird.
  5. Vgl. Spiegel, 16.06.1986.
  6. Vgl. Anhäuser u.a., 10; Privatarchiv Reinhard Sczech, FI/1986, Bundesminister der Verteidigung, 16.
  7. Vgl. Bundesminister der Verteidigung, 13.
  8. Vgl. Anhäuser u.a., 10 f; Bundesminister der Verteidigung, 16; Friedensliste Rheinland-Pfalz, 29.
  9. Vgl. Magenheimer, 111; Sonderausstellung „Tradition der Hunsrücker Ostermärsche“.
  10. Vgl. Hunsrück-Forum, Extraausgabe „Militarisierung und Widerstand im Hunsrück“ 1986; Wikipedia, Hunsrück (de.wikipedia.org/wiki/Hunsr%C3%BCck, Stand: 11.08.2008).
  11. Vgl. Bundesminister der Verteidigung, 14 f; Wikipedia, Hunsrück (de.wikipedia.org/wiki/Hunsr%C3%BCck, Stand: 11.08.2008).
  12. Vgl. Privatarchiv Reinhard Sczech, ZDF-Sendung „die reportage“, Bericht von Monika Hoffmann: „Wenn die Raketen kommen… Wie die Menschen im Hunsrück die Nachrüstung erleben“, ZDF 1986.
  13. Vgl. Spiegel, 16.06.1986.
  14. Vgl. Privatarchiv Reinhard Sczech, ARD-Sendung „Report“, „Schabbach wehrt sich gegen Raketen“, SWF 1984; ZDF-Sendung „die reportage“, Bericht von Monika Hoffmann, „Wenn die Raketen kommen… Wie die Menschen im Hunsrück die Nachrüstung erleben“, ZDF 1986; Stange, 42 – 139.
  15. Vgl. Ausstellung „Tradition der Hunsrücker Ostermärsche“; Privatarchiv Gerhard Lorenz, Rhein-Hunsrück-Kalender 1988, 39; Privatarchiv Reinhard Sczech, FI/1984, Friedensinformationen Nr. 4 und FI/1985, Friedensinformationen Nr. 6.
  16. Vgl. Privatarchiv Reinhard Sczech, FI/1985, Friedensinformationen Nr. 6.
  17. Vgl. Privatarchiv Reinhard Sczech, FI/1984, Friedensinformationen Nr. 4 und FI/1985, Friedensinformationen Nr. 6.
  18. Vgl. Interview mit Heidrun Kisters, 4; Interview mit Reinhard Sczech, 5; Interview mit Horst Petry, 6; Interview mit Axel Weirich, 4.
  19. Vgl. Interview mit Joachim Mertes, 3.
  20. Vgl. Privatarchiv Gerhard Lorenz, Rhein-Hunsrück-Kalender 1988, 40.
  21. Vgl. Interview mit August Dahl, 8 f.
  22. Vgl. Privatarchiv Gerhard Lorenz, Rhein-Hunsrück-Kalender 1988, 40.
  23. Vgl. Stange, 81.
  24. Vgl. Privatarchiv Gerhard Lorenz, Rhein-Hunsrück-Kalender 1988, 40; Stange, 64.
  25. Vgl. Privatarchiv Reinhard Sczech, ARD-Sendung „Report“, „Schabbach wehrt sich gegen Raketen“, SWF 1984; ZDF-Sendung „die reportage“, Bericht von Monika Hoffmann, „Wenn die Raketen kommen… Wie die Menschen im Hunsrück die Nachrüstung erleben“, ZDF 1986.
  26. Vgl. Privatarchiv August Dahl, Vita.
  27. Vgl. Privatarchiv Reinhard Sczech, ARD-Sendung „Report“, „Schabbach wehrt sich gegen Raketen“, SWF 1984.
  28. Vgl. Stange, 153 ff.
  29. Spiegel, 16.06.1986.
  30. Vgl. Interview mit August Dahl, 7.
  31. Vgl. Privatarchiv August Dahl, Vita.
  32. Vgl. Interview mit August Dahl, 5.
  33. Ebd., 7.
  34. Interview mit Horst Petry, 5.
  35. Spiegel, 16.06.1986.
  36. Vgl. Stange, 14 f.
  37. Vgl. Privatarchiv Gerhard Lorenz, Rhein-Hunsrück-Kalender 1988, 43.
  38. Spiegel, 16.06.1986.
  39. Vgl. Wikipedia, August Dahl (de.wikipedia.org/wiki/August_Dahl, Stand: 30.08.2008). Der Artikel über August Dahl ist laut Dahls eigener Aussage korrekt.
  40. Vgl. Privatarchiv August Dahl, Vita.
  41. Vgl. ebd.
  42. Interview mit August Dahl, 10.
  43. Vgl. Archiv Grünes Gedächtnis, E.7 – Netzwerk Friedenskooperative/158, Berufungsprozesse Landgericht Bad Kreuznach; Ausstellung „Tradition der Hunsrücker Ostermärsche“, BVerfGE 92, 1 – 25.
  44. Vgl. Aachener Friedenspreis, Preisträger (www.aachener-friedenspreis.de/preistraeger/1988.html, Stand: 24.07.2008).
  45. Vgl. Privatarchiv August Dahl, Vita.
  46. Vgl. Interview mit Horst Petry, 4.
  47. Vgl. Interview mit Gerhard Lorenz, 1.
  48. Spiegel, 16.06.1986.
  49. Interview mit Gerhard Lorenz,2.
  50. Spiegel, 16.06.1986.
  51. Vgl. Interview mit Gerhard Lorenz, 3 f.
  52. Vgl. Privatarchiv Reinhard Sczech, ZDF-Sendung „die reportage“, Bericht von Monika Hoffmann, „Wenn die Raketen kommen… Wie die Menschen im Hunsrück die Nachrüstung erleben“, ZDF 1986.
  53. Vgl. ebd.; Privatarchiv Gerhard Lorenz, Rhein-Hunsrück-Kalender 1988, 45 ff.
  54. Vgl. Interview mit Gerhard Lorenz, 1.
  55. Vgl. Privatarchiv Gerhard Lorenz, Rhein-Hunsrück-Kalender 1988, 45 ff.
  56. Vgl. Interview mit Gerhard Lorenz, 5 f.
  57. Vgl. Sczech , Frieden braucht Bewegung (www.friedenskooperative.de/netzwerk/histo111.htm, Stand: 27.08.2008).
  58. Ebd.
  59. Vgl. Bartels, 111 – 121.
  60. Bundesministerium des Innern, 16.
  61. Vgl. ebd., 23.
  62. Vgl. Interview mit Horst Petry, 3.
  63. Vgl. Schreiben der Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik vom 29.08.2008 (siehe Anhang).
  64. Vgl. Jordan, 92.
  65. Vgl. Privatarchiv Gerhard Lorenz, Rhein-Hunsrück-Kalender 1988, 39; Interview mit Reinhard Sczech, 10.
  66. Vgl. Interview mit Reinhard Sczech, 9 f.
  67. Vgl. Artikel 9 Grundgesetz.
  68. Vgl. Interview mit Heidrun Kisters, 1f.
  69. Vgl. Interview mit Reinhard Sczech, 1 ff.
  70. Vgl. ebd., 7.
  71. Vgl. Privatarchiv Reinhard Sczech, ARD-Sendung „Monitor“, Bericht von Gabriele Krone-Schmalz und Udo Frank, WDR 1985; ZDF-Sendung „die reportage“, Bericht von Monika Hoffmann, „Wenn die Raketen kommen… Wie die Menschen im Hunsrück die Nachrüstung erleben“, ZDF 1986.
  72. Vgl. Interview mit Reinhard Sczech, 3.
  73. Hunsrück-Forum, Historie ((www.hunsrueck-forum.de/Hunsrueck-Historie.etc?PHPSESSID=0c24945fda6a26dcf34e2a3ac827c627, Stand: 24.07.2008).
  74. Ebd.
  75. Hunsrücker Zeitung, 20.07.1983.
  76. Vgl. Rhein-Zeitung, 22.07.1983, Kommentar „Argumente statt Steine“. Eine eingehende Analyse der Berichterstattung über die Friedensbewegung in der „Rhein-Zeitung“ müsste in einer eigenen Arbeit vorgenommen werden. Fakt ist, dass sich die Hunsrücker Friedensbewegung in der regionalen Presse falsch dargestellt sah und deshalb das „Hunsrück-Forum“ ins Leben rief.
  77. Vgl. Hunsrück-Forum, Archiv (www.hunsrueck-forum.de/Hunsrueck-Archiv.etc?PHPSESSID=0c24945fda6a26dcf34e2a3ac827c627, Stand: 20.08.2008). Zusätzlich zu den 61 regulären Ausgaben erschienen drei Extra-Ausgaben zu „Militarisierung und Widerstand im Hunsrück“, „Der erste Blockade-Prozess im Hunsrück“ und „Hunsrücker Blockade: Freisprüche in zweiter Instanz“.
  78. Vgl. Hunsrück-Forum, 3 (1983).
  79. Vgl. Interview mit Horst Petry, 3.
  80. Vgl. Hunsrück-Forum, Historie ((www.hunsrueck-forum.de/Hunsrueck-Historie.etc?PHPSESSID=0c24945fda6a26dcf34e2a3ac827c627, Stand: 20.08.2008).
  81. Vgl. Hunsrück-Forum, Archiv (www.hunsrueck-forum.de/Hunsrueck-Archiv.etc?PHPSESSID=0c24945fda6a26dcf34e2a3ac827c627, Stand: 20.08.2008).
  82. Vgl. Interview mit Horst Petry, 5.
  83. Vgl. ebd., 2.
  84. Vgl. Bundesministerium des Innern, 23.
  85. Vgl. Hunsrück-Forum, 1 (1983) – 3 (1983).
  86. Vgl. ebd.
  87. Vgl. Hunsrück-Forum, 5 (1984), 8 (1985).
  88. Vgl. Hunsrück-Forum, 7 (1985).
  89. Hunsrück-Forum, 1 (1983)
  90. Vgl. Hunsrück-Forum, 1 (1983), 3 (1983).
  91. Vgl. Hunsrück-Forum, 4 (1983/1984).
  92. Vgl. Hunsrück-Forum, 5 (1984), 6 (1984).
  93. Vgl. Hunsrück-Forum, 4 (1983/1984).
  94. Vgl. Interview mit Horst Petry, 5; Interview mit Reinhard Sczech, 6.
  95. Vgl. Hunsrück-Forum, 8 (1985).
  96. Vgl. ebd..
  97. Vgl. Frankfurter Rundschau, 19.04.1985; Hunsrück-Forum, 9 (1985).
  98. Aufgrund dieses Aufrufs wurde die Landesgeschäftsstelle der DFG-VK in Karlsruhe von Polizisten durchsucht (vgl. Frankfurter Rundschau, 19.04.1985).
  99. Vgl. Hunsrück-Forum, 8 (1985).
  100. Vgl. Frankfurter Rundschau, 19.04.1985.
  101. Vgl. Frankfurter Rundschau, 12.04.1985 und 19.04.1985; Tageszeitung, 09.04.1985 und 19.04.1985.
  102. Vgl. Spiegel, 22.04.1985.
  103. Vgl. Hunsrück-Forum, 10 (1985).
  104. Vgl. Jordan, 94.
  105. Vgl. Privatarchiv Reinhard Sczech, ARD-Sendung „Monitor“, Bericht von Gabriele Krone-Schmalz und Udo Frank, WDR 1985.
  106. Vgl. Sczech, Akte Wippermann (www.pydna.de/wippermann/wipperm.htm, Stand : 25.08.2008); Spiegel, 16.06.1986.
  107. Vgl. Hunsrücker Zeitung, 06.07.1985.
  108. Vgl. Grüne Rheinland-Pfälzer, 4 (1985).
  109. Vgl. Pax An, 12 (1985), zitiert nach Hunsrück-Forum, 10 (1985).
  110. Vgl. Hunsrück-Forum, 10 (1985).
  111. Vgl. Privatarchiv Reinhard Sczech, FI/1985.
  112. Vgl. Hunsrück-Forum, 19 (1988) – 61 (1995).
  113. Lore Kneip, zitiert nach Stange, 64 f.
  114. Vgl. Stange, 64 – 70 und 84 – 91.
  115. Vgl. ebd., 65.
  116. Vgl. Spiegel, 16.06.1986; Ausstellung „Tradition der Hunsrücker Ostermärsche“.
  117. Vgl. Ausstellung „Tradition der Hunsrücker Ostermärsche“.
  118. Zitiert nach Stange, 70.
  119. Vgl. Stange, 64.
  120. Vgl. Spiegel, 16.06.1986.
  121. Zitiert nach Stange, 90.
  122. Vgl. Stange, 88 f.
  123. Vgl. Archiv Grünes Gedächtnis, E.7 – Netzwerk Friedenskooperative/158, Berufungsprozesse Landgericht Bad Kreuznach; Ausstellung „Tradition der Hunsrücker Ostermärsche“, BVerfGE 92, 1 – 25.
  124. Vgl. Interview mit Heidrun Kisters, 2; Interview mit Axel Weirich, 2; Stange, 88 f.
  125. Vgl. Stange, 89.
  126. Vgl. ebd., 88 f.
  127. Vgl. Ausstellung „Tradition der Hunsrücker Ostermärsche“.
  128. Vgl. Schriftliches Interview mit Clemens Ronnefeldt, 1.
  129. Vgl. Ausstellung „Tradition der Hunsrücker Ostermärsche“.
  130. Vgl. Hunsrück-Forum, 7 (1985).
  131. Vgl. Interview mit Reinhard Sczech, 7 f.
  132. Janning, 43.
  133. Vgl. ebd., 43 – 46.
  134. Vgl. Stern, 02.12.1982.
  135. Vgl. Janning, 36; Wasmuht, 219.
  136. Vgl. Ausstellung „Tradition der Hunsrücker Ostermärsche“; Privatarchiv Gerhard Lorenz, Rhein-Hunsrück-Kalender 1988, 43.
  137. Vgl. Jordan, 86.
  138. Vgl. Ausstellung „Tradition der Hunsrücker Ostermärsche“.
  139. Vgl. Jordan, 86 f.
  140. Ausstellung „Tradition der Hunsrücker Ostermärsche“.
  141. Jordan, 87.
  142. Vgl. Stern, 02.12.1982.
  143. Vgl. Ausstellung „Tradition der Hunsrücker Ostermärsche“.
  144. Vgl. Jordan, 87.
  145. Vgl. ebd., 88; Privatarchiv Gerhard Lorenz, Rhein-Hunsrück-Kalender 1988, 39.
  146. Vgl. Ausstellung „Tradition der Hunsrücker Ostermärsche“; Privatarchiv Gerhard Lorenz, Rhein-Hunsrück-Kalender 1988, 39; Privatarchiv Reinhard Sczech, FI/1984, Friedensinformationen Nr. 4 und FI/1985, Friedensinformationen Nr. 6.
  147. Vgl. Jordan, 88.
  148. Vgl. Klaus Lange-Feldhahn, Uli Jäger (Hrsg.): Alternative Sicherheitskonzepte. Materialien 8. Verein für Friedenspädagogik. Tübingen 1983, 50 und DFG/VK (Hrsg.): Friedenspolitischer Informationsdienst. Extra 3/83. Zitiert nach: Barth/Mechtersheimer/Reich-Hilweg, 106.
  149. Vgl. Jordan, 91.
  150. Vgl. Ausstellung „Tradition der Hunsrücker Ostermärsche“.
  151. Vgl. Hunsrück-Forum, 1 (1983).
  152. Vgl. Privatarchiv Gerhard Lorenz, Rhein-Hunsrück-Kalender 1988, 37.
  153. Vgl. Hunsrück-Forum, 3, (1983).
  154. Vgl. Ausstellung „Tradition der Hunsrücker Ostermärsche“.
  155. Vgl. Jordan, 88.
  156. Vgl. Hunsrück-Forum, 4 (1983/1984).
  157. Vgl. Privatarchiv Gerhard Lorenz, Rhein-Hunsrück-Kalender 1988, 39.
  158. Vgl. Spiegel, 16.06.1986; Ausstellung „Tradition der Hunsrücker Ostermärsche“.
  159. Vgl. Privatarchiv Reinhard Sczech, ZDF-Sendung „die reportage“, Bericht von Monika Hoffmann, „Wenn die Raketen kommen… Wie die Menschen im Hunsrück die Nachrüstung erleben“, ZDF 1986.
  160. „Nuclear Weapons Freeze Campaign“ war der Name der amerikanischen Friedensbewegung, die 1981 mit dem Ziel ins Leben gerufen wurde, das nukleare Wettrüsten „einzufrieren“ (engl.: „to freeze“) und Abrüstungsschritte einzuleiten (Vgl. Wittner, 169 – 201).
  161. Vgl. Ausstellung „Tradition der Hunsrücker Ostermärsche“.
  162. Vgl. Privatarchiv Gerhard Lorenz, Rhein-Hunsrück-Kalender 1988, 40; Stange, 64.
  163. Vgl. Jordan, 92; Ausstellung „Tradition der Hunsrücker Ostermärsche“; Privatarchiv Gerhard Lorenz, Rhein-Hunsrück-Kalender 1988, 43.
  164. Vgl. Stange, 14.
  165. Vgl. ebd., 89.
  166. Vgl. Hunsrück-Forum, 6 (1985), 7 (1985).
  167. Jordan, 92.
  168. Vgl. Ausstellung „Tradition der Hunsrücker Ostermärsche“.
  169. Vgl. Privatarchiv Reinhard Sczech, ARD-Sendung „Report“, „Schabbach wehrt sich gegen Raketen“, SWF 1984; ARD-Sendung „Monitor“, Bericht von Gabriele Krone-Schmalz und Udo Frank, WDR 1985; ZDF-Sendung „die reportage“, Bericht von Monika Hoffmann, „Wenn die Raketen kommen… Wie die Menschen im Hunsrück die Nachrüstung erleben“, ZDF 1986.
  170. Vgl. Jordan, 94.
  171. Vgl. EZA 97/1202.
  172. Vgl. ebd., Brief der ASF Regionalgruppe von August 1986.
  173. Vgl. Jordan, 94; Sczech , Frieden braucht Bewegung (www.friedenskooperative.de/netzwerk/histo111.htm, Stand: 27.08.2008);

    EZA 97/1202, KA-Sitzung vom 12.08.1986.

  174. Vgl. Privatarchiv Gerhard Lorenz, Rhein-Hunsrück-Kalender 1988, 43; Sczech , Frieden braucht Bewegung (www.friedenskooperative.de/netzwerk/histo111.htm, Stand: 27.08.2008).
  175. Vgl. EZA 97/1201, Ablauf der Großdemonstration von Hasselbach.
  176. Vgl. Interview mit August Dahl, 22.
  177. Vgl. Privatarchiv Gerhard Lorenz, Rhein-Hunsrück-Kalender 1988, 45.
  178. Vgl. Bild, 13.10.1986; Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.10.1986; Süddeutsche Zeitung, 13.10.1986.
  179. Vgl. Rhein-Zeitung, 13.10.1986.
  180. Vgl. Landesarchiv der Grünen Rheinland-Pfalz, Frieden/2, Blockade-Aktionen der Friedensbewegung in Rheinland-Pfalz.
  181. Vgl. Interview mit August Dahl, 22.
  182. Vgl. Landesarchiv der Grünen Rheinland-Pfalz, Frieden/2, Blockade-Aktionen der Friedensbewegung in Rheinland-Pfalz.
  183. Vgl. ebd.; Archiv Grünes Gedächtnis, E.7 – Netzwerk Friedenskooperative/158, Berufungsprozesse Landgericht Bad Kreuznach.
  184. Vgl. BVerfGE 92, 1 – 25.