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Geheimagent baut ‚Mauss‘-Höhle im Hunsrück

Dieser Artikel von 1991 ist (noch) unzensiert!
Rot Markiert sind  10 anstößige Textstellen, die von Münchner Anwälten im Auftrag von Werner Mauss 25 Jahre später (Juni 2016)  im hunsrueck-forum zensiert wurden.

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Reinhard Sczech, Hunsrück Forum Heft 45 August 1991

Der berüchtigte deutsche Geheimagent, Werner Mauss, nach Enttarnung in Genf wieder massiv im Hunsrück tätig.

Werner Mauss, berüchtigtster und mittlerweile auch berühmtester deutscher Agent, ist angeblich seit Jahren aus der Bundesrepublik verschwunden. Aber wer will es schon genau wissen? Mauss reist mit falschen Pässen und immer neuen Namen. Seine Auftraggeber sitzen in den Chefetagen von Versicherungen und Industriekonzernen. Ob beim Millionen Raub in Hannover, den verschwundenen Seveso Dioxin Giftfässern bei der Terroristen Jagd, Geiselverhandlungen um den Höchst Manager Cordes mit einer libanesischen Hisbollah-Gruppe, dem gestohlenen Kölner Domschatz, immer wieder tauchte der Name Mauss auf.

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Bisher unveröffentlichte Fotos beweisen die Existenz des versteckten „Mauss Airport Altstrimmig“

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Im HUNSRÜCK-FORUM vom September 1988 berichteten wir über die Aktivitäten einer Firma Nolilane N.V., die über das Simmerner Anwaltsbüro Hansen/Huthwelker dem HUNSRÜCKFORUM gerichtlich die Berichterstattung über eine Villa in Altstrimmig verbieten wollte.

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Warum will Mauss eine Aktion die er 1988 selbst veranlasst hat 2016 zensiert haben?

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Norbert B. aus B. im Hunsrück inspiziert furchtlos die rote Zone

Bei Nolilane N. V. handelte sich um eine sogenannte off-shore-company in Curacao, die sich wiederum durch die Firma „Curacao Corporation Company N.V.“, ebenfalls auf den Holländischen Antillen vertreten ließ.

zensur_2Unter dem Decknamen Richard Nelson hatte Geheimagent Mauss  1969 das Haus in Altstrimmig erworben. Diese illegale Grundbuch „Falschbeurkundung“ kam nach Recherchen der taz auf Druck des Innenministeriums zustande. Nach Auskunft des Einwohnermeldeamtes in Zell ist Richard Nelson alias Werner Mauss unbekannt verzogen. Seine Rechtsnachfolger in Altstrimmig gaben sich nie mit der Grundstücksgröße zufrieden. Wie eine Krake streckten sie ihre Fänge immer weiter aus und kauften was immer gekauft werden konnte. So beispielsweise am 7.März 1986: In der Kanzlei des Notars Günter Seume in Zell wird über 5,33 Hektar Ackerland und einen kleinen Privatflugplatz verhandelt. Verkaufspreis: Knappe 300.000 DM.

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Warum die vielen falschen Namen und Briefkastenfirmen?

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… hier endet die Recherche 1991 an einem der Mauss Eingänge in Altstrimmig

Natürlich tritt der Geheimagent nicht mehr persönlich auf. Die Verkäuferin, Marlies Theisen, bekommt zur Vertragsunterzeichnung nur den Bürovorsteher der Notarkanzlei Seume, Herrn Reinhard Beuren zu Gesicht, der im Auftrag von Geradus Roetenberg, Manager der Firma „Curacao Corporation Company N.V.“ handelt. Angeblich hat Mauss die Villa in Altstrimmig schon lange verkauft, heißt es offiziell. Tatsächlich haben die Journalisten Frank Garbely und Hansjörg Brügger für das TV-Magazin „Rundschau“ des Schweizer Fernsehens DRS im Herbst letzten Jahres die zensur_2„Mauss“-Spur wieder aufgenommen. Demnach mietete Mauss im Mai 1990 eine hübsche Genfer Villa an -illegal, weil unter falschem Namen und mit falschem Pass. Doch schon wenige Monate später war für Mauss der Unterschlupf in der Schweiz „verbrannt“: Am 4. September nahmen Genfer Polizisten die Schwiegereltern von Mauss und die Privatlehrerin seiner Kinder in der Villa fest. Seitdem wird in dem Hunsrückdorf Altstrimmig wieder von verstärkten Aktivitäten des Werner Mauss, alias Erich Fischer, alias Dr. Lange, alias Horst Faber, alias Richard Nelson, berichtet.

Agent_MausAltstrimmig2gggUm die Villa Mauss wird noch mehr Gelände aufgekauft. Wer nicht verkaufen will, bekommt auch schon mal mit Enteignung gedroht. Neue Bauvorhaben, teilweise skurrilster Art, können bestaunt werden. So wird auf dem Gelände eine gewaltige Felsmauer errichtet, ein gro­ßer Neubau nimmt gar Ähnlichkeiten mit den Formen einer Kirche an. Der Agentenclan hat sich zum großen Arbeitgeber und Wohlstandsbringer „gemaussert“.

HF_1988_HansenHuthwelkerPNGBauarbeiter, gefragt für wen und was sie den bauen, schweigen: Die Angst um den Arbeitsplatz ist deutlich zu spüren.

Im Dorf wird von großen Festen in der Villa gemunkelt. Mauss, den viele Einwohner noch unter dem Decknamen Richard Nelson persönlich kennen, soll wieder häufiger leibhaftig in Altstrimmig aufgetaucht sein. Der Pferdenarr Mauss plane angeblich auf seinem sich immer weiter vergrößerndem Gelände eine Pferderennbahn zu bauen.HunsrueckForum45_1991_TitelBild

Dass Mauss mit Baugenehmigungen auf keinerlei Probleme bei der zuständigen Verwaltung stößt, konnte Werner Wanger aus Mastershausen schon 1988 feststellen. Für den BUND zeigte er bei der Kreisverwaltung Cochem/Zell einen groben Eingriff in die Natur und das Landschaftsbild am Mühlenweg in der Gemeinde Altstrimmig an. Ohne Baugenehmigung hatte die Firma Nolilane riesige Flächen umzäunt, Felsen gesprengt, Wege planiert und viele Bäume und Gehölze beseitigt.

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Warum unterstützen die Behörden Mauss

zensur_2Doch die Kreisverwaltung Cochem/Zell bekam wohl „Weisung“ von höheren Stellen und erteilte eine nachträglich Genehmigung. Kurze Zeit später wurde sogar eine Hochspannungsleitung über das „Mauss-Anwesen“ abgerissen und unterirdisch verlegt.

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Was nun?

In der Bundesrepublik gilt Mauss spätestens seit den niedersächsischen Untersuchungsausschüssen um das „Celler Loch“ und dem Freispruch des angeblichen Millionenräubers René Düe als „skandalverbrannt“. Mit der Bezirksregierung in Koblenz scheint der Geheimagent aber noch ganz gut auszukommen.

Hofft Mauss nun. in aller Ruhe im abgelegenen Hunsrück seinen Reichtum aus zwielichtigen Aktivitäten genießen zu können?

1991, Reinhard Sczech

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mehr:

1 von 5:    Panama Papers + Privatagent Mauss

 2 von 5:    Mauss-Höhle, Hunsrück-Forum 1991 (noch) unzensiert

3 von 5:    Mauss-Loch in Altstrimmig, Hunsrück-Forum 1988

4 von 5:   Hintergrundinformationen

5 von 5:   CDU in der Mauss-Falle

+++ streng geheim +++

Akte Wippermann, Staatsanwalt Wippermann, 1985
Da gab es 1986 noch diese Berichte

„Agenten reisen gern in Hunsrück und Eifel“

Der Gastwirt Rainer Rippel aus Kastellaun staunte nicht schlecht: Für sein neu gebautes Holzvordach der Wochenendhütte bei Gammelshausen flatterte ihm eine Abrissverfügung der Kreisverwaltung in das Haus.
Die 20 zusätzlichen Bretter verschandelten nach Behördenmeinung das Landschaftsbild. Auch Elisabeth Nissing aus Bell war baff: Bei der Renovierung ihres alten Fachwerkhauses störte das Denkmalamt ein kleines Fenster aus den fünfziger Jahren. Jedesmal wurde mit umfangreichem Bildmaterial der Baupolizei die kleinste Änderung über Jahrzehnte hinweg fotografiert und kontrolliert.

Erfahrungen aus dem alltäglichen Leben „gewöhnlicher“ Bürger im Umgang mit den Behörden.

Ganz anders kann da die Briefkastenfirma Nolilane N.V. mit Sitz in
Curacao auf den Niederländischen Antillen schalten und walten. Über Anwaltsbüros und Mittelsmänner werden gewaltige Baumaßnahmen in Altstrimmig geplant und durchgeführt. Zwanzig Hektar eines herrlichen Tales wurden ruiniert.

Hierzu ein Brief von Werner Wanger aus Mastershausen im Auftrag des BUND an die Landespflegebehörde der Kreisverwaltung Cochem/Zell:

„…. möchte ich einen groben Eingriff in die Natur und das
Landschaftsbild am Mühlenweg der Gemeinde Altstrimmig zur Anzeige bringen.
Besitzer des fraglichen Grundstückes ist die holländische Firma
Nolilane. Diese Firma hat die Umzäunung eines riesigen Wald- und Wiesenstückes veranlasst. Dabei wurden große Breschen geschlagen, Felsen gesprengt, Wege planiert und viele Bäume und Gehölze beseitigt. Der Zaun wurde mit einem massiven Betonfundament versehen.
Solche gravierenden Eingriffe in die Natur werden in der Regel nur für militärische Anlagen genehmigt.
Wurde von Ihrer Behörde eine Genehmigung für diese Baumaßnahmen erteilt?
Wenn ja, welche Auflagen wurden gemacht?
Warum wurde die BUND Kreisgruppe Cochem/Zell zu diesem Vorgang nicht gehört?
Bitte leiten Sie entsprechende Maßnahmen ein um weitere Umweltvergehen zu unterbinden. …“

Nach Inspektion vor Ort hat sich inzwischen der Landespfleger hellauf entsetzt über die „Baumaßnahmen“ der ominösen Briefkastenfirma geäußert. Doch im Gegensatz zur normalen Vorgehensweise wurde nicht sofort eingeschritten, sondern nun wird erst einmal die Stellungnahme der Vorgesetzten Behörden abgewartet.

Sind etwa „höhere staatliche
Interessen“ im Spiel? Wenn ja, welche?

Wir berichteten im letzten HUNSRÜCK FORUM: Die Rechtsanwälte Hansen/Hutwelker aus Simmern hatten mit gerichtlichen Konsequenzen gedroht, falls wir die Villa in Altstrimmig in Zusammenhang mit Richard Nelson, dem inzwischen amtlich bestätigten V-Mann Werner Mauss bringen.

Dabei waren sie nicht gerade zimperlich vorgegangen. Sie besorgten
sich illegal bei der Kraftfahrzeug-Zulassungsstelle die notwendigen
Daten, nachdem aus dem Grundstück der „Villa Mauss“ ein Auto mit
einer Videokamera gefilmt wurde. Dem Straßenverkehrsamt wurde dabei vorgetäuscht, der Fahrer wäre in einen Unfall mit einem Mandanten der Kanzlei verwickelt. Es übermittelte für 4,-DM „Auskunft Gebühr“ die über den Fahrer gespeicherten Informationen. Über welche dunklen Kanäle dann ein
Zusammenhang zum HUNSRÜCK FORUM hergestellt wurde ließ sich noch nicht ermitteln. Die rheinland-pfälzische Datenschutzkommision wird sich in der nächsten Sitzung mit diesen zwielichtigen Vorgängen befassen.

 

 

„Agenten reisen gern in Hunsrück und Eifel“ schlagzeilte die
Rhein-Zeitung am 2.Juli 1983. Berichtet wurde allerdings nicht über
die illegalen Aktionen des Werner Mauss, die in der Hunsrücker Villa unter dem Decknamen „Richard Nelson“ geplant wurden, sondern über Erkenntnisse von Innenminister Kurt Böckmann (CDU) über die große „Gefahr von links“. Zwei Wochen später steigerte sich die Rhein-Zeitung gar zu „Raketengegner proben den Aufstand“.

Unterzeile: „Unter der Bezeichnung `Friedensinitiative` bereiten sich auch im Hunsrück sogenannte Einsatzgruppen der Raketengegner auf zentrale und dezentrale Aktionen vor.“

Wiederum zwei Wochen später explodierten wie bestellt auf dem
US-Flugplatz Hahn die Bomben der vermuteten Linksterroristen. Mit in Feuerlöschern versteckten Bomben wollten die Terroristen angeblich ausgerechnet ein altes Offizierskasino zerstören.

Die im HUNSRÜCK-FORUM aufgeführten Kontaktadressen der verschiedenen Friedensinitiativen erhielten auch prompt anonyme Bekennerbriefe – angeblich aus dem Umfeld der „Rote Armee Fraktion“ (RAF)

Eine Merkwürdigkeit die erst heute richtig aufstößt: Ausgerechnet die „Verlegung von Bernd Röstner zu seinen Genossen in Celle“ wird in diesem anonymen Schreiben gefordert. Celle ist mittlerweile ein
Begriff: Als Kommando der Rote Armee Fraktion getarnte
niedersächsische Verfassungsschützer sprengten im Juli 1978 ein Loch in die Mauer der Justizvollzugsanstalt Celle, um eine Aktion zur Befreiung des dort einsitzenden Terroristen Sigurd Debus
vorzutäuschen. Unter anderem wurde dazu ein wegen Polizistenmord verurteilter Schwerkrimineller von den Staatsschützern angeheuert.

Das Drehbuch zu dieser unglaublichen Geschichte schrieb in seiner
Hunsrücker Villa der geheimnisvolle Privatdetektiv Werner Mauss, alias Richard Nelson. Noch heute arbeitet ein Untersuchungsausschuss des niedersächsischen Landtages um Licht in diese dunkle Geschichte zu bringen.

Auch wir werden am Ball bleiben und neue Fakten für die nächste
Ausgabe des Hunsrück-Forums recherchieren.

 

mehr:

1 von 5:    Panama Papers + Privatagent Mauss

 2 von 5:    Mauss-Höhle, Hunsrück-Forum 1991 (noch) unzensiert

3 von 5:    Mauss-Loch in Altstrimmig, Hunsrück-Forum 1988

4 von 5:   Hintergrundinformationen

5 von 5:   CDU in der Mauss-Falle

+++ streng geheim +++

Akte Wippermann, Staatsanwalt Wippermann, 1985